Monthly Archives: Juni 2013

Paris im Rückspiegel

Paris (III)

Um 10:00 Uhr Hôtel de Ville (Danke, UTF-8 !) die Schlange ist noch recht kurz. Ich bin neben einem sehr frühen Schwulenpärchen der einzige Mann in der Schlange. Haute Couture showcased at the Hôtel de Ville. Mit dem zweiten Schub stehen wir vor dem Security Check. Drinnen eine Austellung über Glanz und Glemmer, beginnend bei den Manufakturen im späten 19.Jahrhundert bis zur heutigen Multi-Milliarden Dollar Industrie. Namen wie Chanel, Nina Ricci, Schiaparelli, Balenciaga, Christian Dior,  Givenchy,  Cardin,  Yves Saint Laurent,  Jean Paul Gaultier sind mit ihrer Vita und ihren Stoff gewordenen Träumen zu sehen. Auf den Bildschirmen Claudia Schiffer, Kate Moss & Co. Die hochgezüchteten Rennpferde der Konsumgesellschaft, nutzlos, aber verdammt gut anzusehen.

Paris (IV) – Kapitalismus ist wie ein toter Fisch im Mondschein..

Nach einem ausgiebigen Fußmarsch landen wir am Place Vendôme. Dort bekommt des Wort (Groß)Bourgeoisie ein ganz reales Gesicht. Cartier, Chaumet, Van Cleef & Arpels, Bulgari. Ein paar Schritte weiter Galeries Lafayette am Boulevard Haussmann. Nicht ein einzelner Laden, wie in Berlin. In drei riesigen Häusern überquellender Wohlstand. Die Dachterasse im siebten Stock bietet einen kostenfreien, phantastischen Blick über die Stadt.
Am Abend ist überall in der Stadt die „Fête de la Musique“. Nach dem Essen (Au Rocher de Cancale, sehr empfehlenswert) gibt es auf der Rue Montorgueil noch eine Stunde Techno zum Tanzen.

Monet Industries

Am Samstagmorgen stopfe ich 91(!) Euro in den Kassenautomaten des Parkhauses. Dann verlassen wir die Stadt über den Champs-Élysées in Richtung Normandie.
Eine innere Unruhe hat uns bereits um 7:00 Uhr im Auto unterwegs sein lassen. Nach ca. 100 km auf der Autobahn ein kleines Früstück auf dem Wochenmarkt in Vernon. Unser Ziel lässt uns erst ab 9:30 Uhr zu sich.
Claude Monet starb am 5. Dezember 1926 in Giverny, einem kleinen Straßendorf (500 Einwohner) an der Seine. Er besaß dort ein Haus mit einem großen Garten. Dazu gehört jener aus seinen Bilder weltberühmte Teich mit den Seerosen. Der Reiseführer rät: „Kommen Sie früh!“. Wir stehen also pünktlich zur Öffnung an der Kasse und haben dann ca. 20 Minuten, bis sich ein riesiger touristischer Mob über Haus und Grundstück hermacht. Der Weg durch den Garten und über die Brücke am Teich gelingt nur noch im Gänsemarsch in Gruppen von amerikanischen und japanischen Touristen. Japaner sind übrigens leicht an ihrem grauenhaften Bekleidungsstil zu identifizieren.
Nach einer knappen Stunde ist der „romantische Kunstgenuss“ dann zum Glück auch erledigt.

Manoir de Savigny Valognes

Nach einem kurzen Stop in Rouen (Kathedrale, Essen „Brasserie Paul“) findet die nächste Reizüberflutung beim Einkauf in einem der riesigen Carrefour-Supermärkte statt. Die Abteilungen Wein, Käse, Fisch und Schinken überfordern den Einheitsessen-Deutschen komplett. In diesen Einkaufstempeln wird einem immer die kulinarische Wüste bewußt, in der wir in Deutschland vegetieren. Dank Navi finden wir unser Domizil in der Bocage. Normannische Häuser in einem riesigen Park. Neben den Hecken überall auch Palmen.
Auf dem Parkplatz steht ein englisches Ehepaar (beide bereits über 70) mit zwei Sportwagen der Marke Singer. Sie waren bereits seit einigen Tagen unterwegs. Es ist recht kalt und es regnet alle Stunde mal ordentlich. Da ist das Fahren in diesen offenen Kisten ein richtig harter Sport. Nach ein bischen Small Talk sind wir nun endlich angekommen.

Bonjour, Paris

Reims

Wer auf der A4 nach Paris fährt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen und einen Abstecher nach Reims zu machen. Die Stadt ist bekannt für den Champagner (G. H. Mumm, Louis Rœderer), Krönungsort der französischen Könige („Le Roi“) und Ort der Kapitulation der deutschen Wehrmacht („Jodl“) am 7. Mai 1945.
Ein Besuch der Kathedrale Notre-Dame ist ein absolutes Muß und eine gute Einstimmung auf die bevorstehende architektonische Reizüberflutung von Paris.

Paris (I)

Dank der kürzlich im Auto entdeckten USB-Schnittstelle und Navigon sind wir, abgesehen vom üblichen Stau auf der Périphérique, gut in Paris gelandet.
Unser Appartement befindet sich im Schatten des Centre Pompidou („La Raffinerie“, Labor Drax in „Moonraker“), einer 160 Meter langen und 40 Meter hohen Monstrosität. Der Besitzer Pascal hat in den 30 qm (riesig für Pariser Verhältnisse) alle Gadgeds der Kunst und Technik verbaut, die möglich sind. Wir sind zu Fuß in 15 Minuten am Louvre, also Mitten in der Stadt.

Paris (II)

Die erwähnte architektonische Reizüberflutung setzt sofort ein, wenn man in Paris aus dem Haus tritt. Die Stadt hat das große Glück von den kriegerischen Katastrophen des letzten Jahrhunderts verschont zu sein. Ich sitze auf einem Stuhl (hinten kurze Beine zum Sonnenbaden) im Jardin des Tuileries («insurrection du 10 août») mit Blick auf den Louvre und das Musee d’Orsay,
Wahnsinn.
So etwas gibt es nirgends sonst auf der Welt. Der Wahnsinn ist leider auch begehrt und irrsinnig teuer. Der Blick in die Schaufenster der Immobilienmakler (53 qm 2200 Euro kalt und städtischer Randlage) zeigt die Ursache der astronomischen Preise in Paris. Essen und Trinken erzeugen einen unheimlichen Sog im Geldbeutel.

Abercrombie & Fitch

Auf dem Champs Élysées kurz vor der U-Bahnstation Franklin Delano Roosevelt befindet sich ein vergoldetes Tor als Zugang zu einer Villa. Auf jeder Seite ein Wachmann (jung, sehr muskulös im Freizeitdress). Die Tatsache, dass jede Menge junger Menschen durch das Tor strömten, erweckte meine Neugier und wir folgten. Die Villa stellte sich als Departmentstore der Klamottenschneider von Abercrombie & Fitch heraus.
In einem riesigen, mehrstöckigen, barock gestalteten Innenraum wird mit jungen Männern (freier Oberkörper, sehr homoerotisch) und Parfum in der Luft eine Messe des Kapitalismus in Reinkultur zelebriert. Hier wird mit einer irren Menge Geld professionell das Image eine Marke etabliert. An diesen Altären sind die großen Verführer („Vance Packard“) dabei neue Religionen zu erfinden.

Das eigentliche Produkt (Claudia: „Hühnermode“) der Marke ist außerhalb dieser Umgebung jedoch recht trivial.

Argonnerwald, Argonnerwald, Ein stiller Friedhof wirst du bald..

Es sind 32 Grad Celsius und der gestern reichlich gefallene Regen beschert uns satte Luftfeuchtigkeit. Wir wollen vor Paris noch einmal übernachten und haben uns was auf dem Land gesucht. Vienne-le-Château ist ein kleines Nest 30 km von der Autobahn entfernt. Die Ankunft am frühen Nachmittag gab uns noch Zeit für lokales Sightseeing.
Pierre Pérignon, genannt Dom Pérignon (* um 1638 in Sainte-Menehould (12 Kilometer entfernt)) erfindet irgend wann im 17.Jahrhundert die Méthode champenoise um das teure prickelnde Getränk herzustellen. Bis auf das Denkmal des Mönches ist in Sainte-Menehould ziemlich der Hund begraben.
Auf dem Rückweg nach Vienne-le-Château eine Abzweigung – Kaisertunnel.
Eine winzige Strasse führt uns tief in die L’Argonne. Kilometer um Kilometer kein Mensch. Ein ausgeschilderter Busparkplatz. Leer, wie die ganze Gegend. Wunderbare Natur, Ruhe, Vogelgezwitscher. Dann mitten im Bild ein Sprengkrater von 50 Meter Durchmesser. Grande Guerre, Front. Es ist immer wieder erstaunlich wie weit man in Frankreich noch die Hinterlassenschaften der deutschen Vorväter aus dem Krieg 1914/18 findet. Die Headline ist übrigens aus dem Lied der Pioniere.
Fazit: Tourismus hätte eine Menge Blutvergießen erspart.

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Morgen dann Reims und Paris.

 

Was machen die Musiker von Depeche Mode hinter der Bühne..?

Sonntagabend 20:20 Uhr, Anders Trentemoeller hat seinen wunderbaren Support-Act zu Ende gespielt. Die Roadies haben alles umgebaut, die Bühne ist bereit. Der Abend dämmert und es fängt wieder leicht an zu nieseln. Das Publikum ruft nach den Musikern. Zehn Minuten, Zwanzig Minuten, nichts..
Was treiben die hinter der Bühne? Der Zug für Sex, Drugs.. ist für die Jungs doch längst durch. Ich stelle mit vor, wie die auf Yogamatten hinter der Bühne noch ein paar gemeinsame Atemübungen machen. Streching oder psychologischer Zuspruch wären auch möglich. Andy Fletcher hat sich ja kürzlich dahin gehend geäußert.

Um 20:52 Uhr war es dann endlich soweit. Die Jungs kamen auf die Bühne und rockten die 60 Tausend im Olympiastadion. Pünktlich dazu fing es an wie aus Eimern zu schütten. Im Innenraum vor der Bühne hatte man die Chance mal so richtig nass zu werden. Nach über 2 Stunden blieb zu sagen, tolles Konzert. Am Ende auch noch ein Lob an die BVB, die Abfahrt vom U-Bahnhof klappte wie am Schnürchen.

Eine kleine Nebensächlichkeit noch vom Freitag. Der US-Präsident Obama gibt eine Erklärung zu den unlängst bekannt (alle Verschwörungstheoretiker kannten es natürlich schon immer) gewordenen Überwachungsaktionen der NSA ab. Darin erklärt er, die Geheimdienste überwachen Telefonnummern und Dauer der Gespräche. Keine Inhalte.
Hallo, gehts noch? Fällt man mit kurzen oder eher mit langen Telefonaten in das Raster der Terrorabwehr? Sind meine sporadischen Anrufe bei der Zeitansage in Teheran bereits verdächtig? Wer hat dem Obama das auf den Vorlesezettel geschrieben? Wieso publizieren deutsche Medien solchen kompletten Unsinn?

Kann man erwarten, dass unsere deutschen Politiker etwas gegen diese Dinge unternehmen? Man stelle sich vor, der polnische (wahlweise kroatische, belgische etc.) Geheimdienst hackt die Telefonate deutscher Mitbürger. Legitime Gründe wären terroristische Akte wie Gotteslästerung oder Befürwortung von Schwangerschaftsabbrüchen. Die Maßnahme ist natürlich auch vom jeweiligen nationalen Parlament legalisiert.
Erika Steinbach würde vermutlich sofort mit Einmarsch drohen.

Bei so vorbildlichen und transparenten Demokratien wie in den USA liegen die Dinge da natürlich völlig anders. Schöne Grüße an die Beschützer!

Das letzte der Woche

Mit dem DFB-Pokalfinale am vergangenen Wochenende ist sie nun angebrochen. Die graue freudlose Jahreszeit. Kein Fußball! Die Samstagnachmittage sind inhaltsleer und kommen einem irgendwie vergeudet vor. Die Aufmerksamkeit fokussiert sich langsam wieder auf alle anderen Nebensächlichkeiten des Lebens.

Der de Maizière lässt Fluggerät entwickeln und die Genossen bei der Bundeswehr haben irgendwie aus den Augen verloren, dass das Ding hier auch zum TÜV muss. Mal schauen, ob auf der nächsten ILA das Teil noch als Eye-Catcher vor dem Pavillon der Bundeswehr steht. Ein anderer Tip wäre, dass Fluggerät gleich für den Export zu entwickeln. In Nordkorea, Syrien oder im Iran sind die vielleicht nicht so pingelig mit der fehlenden deutschen Straßenzulassung. Der Euro-Hawk wäre damit eine schöne Ergänzung zu den üblichen Exportweltmeistern (Heckler & Koch, Rheinmetall usw.).
Im Bundesverteidigungsministerium gibt es (wie am Donnerstag zu erfahren war) die schöne Sitte den Minister aus kritischen und politisch gefährlichen Entscheidungen herauszuhalten. Da stellen sich doch ein paar interessante Fragen.
Sind wir noch in der NATO? Führen wir noch ein paar mehr Kriege?
Wenn der Minister das nicht kennt, hat auch die Bundesregierung und das deutsche Volk keinen Schimmer von Irgendwas. Ach so, und wenn der Euro-Hawk aus der Pipeline ist, kommt dort sofort MEADS nachgerutscht. Da sind es dann (laut FAKT) nicht mehr 500 Mio. sondern 1,2 Mrd. Aber auch dafür wird es, den Kommunikationsstrategen sei Dank,  eine Erklärung geben.

Es gibt aber auch Erfreuliches. Am Freitag fand das alljährliche Kleinfeld-Fussballturnier der Freizeitkicker von Fortuna Babelsberg statt. Der Verein konnte, Dank eines IT-Unternehmens aus Berlin, in neuen Trikots auflaufen. Damit wurde auch prompt der 2.Platz belegt.

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