Das Apartement in Martinborough (Cologne Street, Ecke Broadway) verfügt über einen riesigen Gasgrill. Für ein BBQ brauchen wir Steaks und die kaufen wir nicht im Supermarkt, es gibt einen Butcher im Ort. Ein großer Mann, mit riesigen Händen und den Resten von toten Tieren an seiner Schürze. Eine ordentliche Auswahl liegt im Schaufenster, u. a. gut marinierte Steaks zu (relativ) kleinen Preisen. Keine Kreditkarten, Cash only. Das Essen war wunderbar. Ein gut gekühlter Rosé aus der Gegend beschließen einen schönen Sommertag. Vielleicht war es zum Essen bereits ein wenig zu spät oder es war des Guten ein wenig zu viel. Nachts gegen 2:00 Uhr liege ich wach und habe mir ein paar Gedanken über das „Boom Under“ hier gemacht.
NZ ist nicht gerade ein Billigland. Man bekommt für sein Geld gute und hochwertige Lebensmittel. Bei einem Bier (was bisher keinen Anlass zur Klage gab) muss man im Pub für das Pint (ca. 0,4 Liter) zwischen 9 und 12 NZ$ auf den Tresen legen. Das sind so 6-8 Euro. Die Leute verdienen hier sehr gut (die Realeinkommen haben sich seit 2004 um 160% nach oben entwickelt, Mindestlohn 14,25 NZ$), tragen keine Designermode und große Autos sind hier die Ausnahme.
The Question: Where is the Money?
Home Loans (Hauskredite), dafür spricht Einiges.
Für ein Haus (das entspricht oftmals mehr dem eines Ferienbungalows) in Wellington (oder den Urbs) legt man locker mal 300-400.000 NZ$ auf den Tisch.

Home Loans zu „Dumping Preisen“
Die Finanzierung gibt es zur Zeit (auf dem absoluten Zinstief) mit 6 – 7% bei einer Bindung von zwei Jahren. Das ist unglaublich(!) preiswert, hier wurden auch schon mit 15% Häuser finanziert.
Analysten sagen jedoch, dass die Immobilien hier mit 20-30% (in Auckland mit bis zu 80%) überbewertet sind. Es gibt hier so viele Immobilenmakler wie Fliegen auf einem Kuhfladen.
Das erinnert an Fannie Mae und Freddie Mac in ihren besten Zeiten.
Der NZ$ ist ebenfalls mit 20-30% überbewertet. Das meiste Geld in NZ verdienen nicht die Kühe, sondern (wen überascht das) die Banken. Die großen Banken gehören mehrheitlich den Australiern. Bei dem Konstrukt ist es IMHO nur eine Frage der Zeit, bis die Banker anfangen gegen ihre eigenen Kunden zu wetten (CDS sei dank).

In Nelson bei unabhängigen Kreditvermittlern gefunden.
Das Zukunftsmodell ist Kuhprodukt (Dairy) für den asiatischen Mittelstand (obwohl die Preise für Milchprodukte seit 2010 um ca. 40% verfallen sind). Wer keine Kuh/Schaf auf die Wiese stellt, ist am Bau oder beim Staat beschäftigt. Die Staatschulden werden in Kürze die 100 Mrd. NZ$ erreichen. Das Christchurch Erdbeben von 2011 trägt daran eine reichliche Mitschuld.
Und das bei 4,5 Mio. Einwohnern!
Das Thema hochqualifizierte Fachkräfte (IT, infrastrukturelle Entwicklung usw.) ist ein weiterer wunder Punkt in der Geschichte. Die Industrie und der Dienstleistungssektor mit effektiver Wertschöpfung sind in Auckland angesiedelt.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Taxifahrer 2008 in Dublin. Der erzählte stolz vom irischen Wirtschaftswunder (Bau, Banken, billige Steuern) und das er jeden Monat 4000 Euro netto nach Hause trägt. Leider waren wenige Wochen darauf die Veterinärmediziner von der EZB vor Ort und haben dem irischen Bullen (ohne Narkose) die Eier abgeschnitten. Hier wären es dann Männer, die mit Stäbchen essen oder die Verwandten von Mel Gibson.
Analysten irren sich aber auch in 90% ihrer Aussagen. Ich hoffe den Kiwis bleibt das erspart!