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Staten Island

Wenn man in New York einen Blick auf die „Miss Liberty“ werfen will, kann man für 50 USD den Ausflugsdampfer bemühen oder nimmt die „Staten Island Ferry“, die das kostenfrei erledigt. Auf Staten Island leben fast eine halbe Million Menschen, die zu großen Teilen täglich nach Manhattan pendeln. Dem entsprechend haben die Terminals fast die Größe unseres noch nicht fertig gestellten Berliner Flughafens. In New York ist eben alles irgendwie groß. Die Fährschiffe sind betagt, aber wie alles hier, sehr massiv.

Nach 25 Minuten Fahrt hat man Ellis Island und Liberty Island gesehen. Das Terminal auf der anderen Seite ist ebenfalls gewaltig groß, neu und sauber. Das neu eröffnete Factory Outlet hat uns dann die Zeit bis zur Rückfahrt vertrieben.

Retro

Retro ist in New York zur Zeit das ganz große Ding. Die offizielle politische Stimmung „Make Amerika great again“ färbt hier in einem erstaunlichen Umfang in das tägliche Leben ab. Die fünfziger und sechziger Jahre, als Amerika noch der unangefochtene Leuchtturm in dieser Welt war, werden hier an breiter Front reanimiert. Kleidung, Essen und vor allem Musik. Die Zukunft blickt zurück und verklärt eine Zeit, die damals definitiv nicht frei von Problemen und Konflikten war. New York gilt im allgemeinen als linksliberal, der Isolationismus und die damit einher gehende Egomanie wachsen aber auch hier aus den unteren Bereichen der Gesellschaft nach oben.

Irgend wann schwappt dann die Retro Welle auch zu uns nach Deutschland. Es bleibt zu hoffen, das uns in diesem Leben die Begegnung mit einer Reinkarnation von Konrad Adenauer erspart bleibt.

MoMA

Wir gehen 150 Meter die Bedford Av. herunter und haben einen Deli, der mit wunderbaren Lachs Bagles zum Frühstück für einen gesunden Start in den Tag sorgt.
Heute morgen hat es geregnet, daher beschließen wir ins Zentrum von Manhattan zum Museum of Modern Art (MoMA) zu fahren. Wir sind, der Zeitverschiebung sei Dank, immer noch recht früh (so gegen 10:00 Uhr) auf den Beinen. Unterwegs steigen wir am Union Square noch einmal aus der Metro, es schüttet wie aus Eimern. Nach weiteren 10 Minuten Fahrt ist an der 54nd bereits wieder blauer Himmel.
Dank unseres zeitigen Erscheinens war es noch leer an den Kassen, die üblichen 25 USD pro Nase. New York ist eine teure Stadt.

Dann aber, 5 Etagen Erlebnisse!

Die fröhliche Stimmung und die damit verbundene Lautstärke erinnert mehr an den Besuch eines Warenhauses als an ein Museum. Kunst ist in Deutschland eine ernste Angelegenheit, hier wird Kunst als Erlebnis zelebriert. Schulklassen okkupieren mit ihrem Tudor, der nur unwesentlich älter als die Kinder erscheint, den Fußboden vor einem Van Gogh, zeichnen und diskutieren lautstark die Bilder. Asiaten fotografieren jedes Bild, um es sich später gegenseitig auf ihren Handys zu zeigen. Wir Deutschen sind im MoMA ebenfalls reichlich präsent. Es gibt neben alten und neuen Bildern auch eine „The Value of Good Design“ Ausstellung von Dingen des täglichen Gebrauchs. Eine ältere Amerikanerin sagte uns, dass sie hier Dinge findet, die bis vor Kurzem völlig normal zu ihrem Haushalt gehört haben.
So wird man halt älter.

Die um die Ecke befindliche 5th Avenue ist eigentlich nur Ku’damm in Groß und bereits nach 2 Blocks langweilig.

9/11 Memorial

Nach einem wunderbaren Spaziergang über die Williamsburg Bridge kamen wir auf die Idee, das WTC ist mit der Metro nur ein paar Stationen entfernt, das 9/11 Memorial zu besuchen. Nach 10 Minuten warten und 52(!) USD Eintritt sind wir an den Ort des Schreckens und des Erinnerns vorgedrungen.
Hier wurde mit großem technischen Aufwand eine Inszenierung gebaut, die der im „Victorious Fatherland Liberation War Museum“ in Pyongyang wahrscheinlich in nichts nachsteht.
Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Ich habe aber dennoch meine Zweifel daran, dass 11 Terroristen mit einer rudimentären Flugausbildung, bewaffnet mit Teppichmessern, ohne jede Kommunikation untereinander, gleichzeitig mit ihren „Waffen“ in vier unterschiedliche Flugzeuge gelangen. Diese ohne Gegenwehr übernehmen und nahezu simultan in die entsprechenden Ziele steuern. Der Gipfel ist die leicht angebrannte Fluglizenz eines der Attentäter, die man in tausenden Tonnen von Schutt „gefunden“ hat. Das Drehbuch hätte in Hollywood vermutlich niemand verfilmt. Eine solche Katastrophe für billigen „Hand-aufs-Herz“ Patriotismus und eine (zumindest für mich als Europäer) gefährlich wirkende Indoktrination zu nutzen ist einfach nur unästhetisch.
Die aus 9/11 resultierenden Opfer (es sind einige Hunderttausende, meist Zivilisten) werden selbst am Ende der Ausstellung bei der Frage „Wie schützt die Regierung ihre Bürger?“ einfach unerwähnt gelassen. Collateral damage halt eben.

Ich will hier auch nicht respektlos gegenüber den Opfern erscheinen, aber diese Art von „Ausstellung“, verbunden mit Restaurant und Museumsshop haben sie einfach nicht verdient.

Bedford Ave. 307

Nach dem Erwerb einer Metro-Card (7 Tage unlimited für 33 USD, erstaunlich preiswert!) sind wir an der „Howard Beach Station“ in die Metro gestiegen. Ich kann mich an einen, in den 80er Jahren im Kino laufenden, Film erinnern. Die Züge heute sind definitiv die Gleichen wie im Film. Das ist hier alles sehr rustikal und very Old School.
Bahnhöfe, Züge und Fahrkartenautomaten.
Aber, alles funktioniert und wird von freundlichen und hilfsbereiten Menschen betrieben. Die Fahrt zieht sich hin, im oberirdischen Bereich fährt der Zug wirklich teilweise nur im Schneckentempo.
Nach einer Stunde Fahrt sind wir am Bahnhof Bedford Avenue. Wenn man glaubt, dass in Berlin das Pflaster auf den Straßen schlecht ist, sollte man mal einen Rollkoffer durch New York ziehen. Das ist eine echte Herausforderung.

Unser AirBnB ist eine kleine saubere und sehr geschmackvoll eingerichtete Wohnung. Der Besitzer hat augenscheinlich Sinn für Kunst und Wein (Bücher und Inhalt des Kühlschrankes). Nach ein paar sehr leckeren Dim Sum’s geht ein langer Tag zu Ende.

Travels (III)

Der Flieger startete dann endlich mit zwei Stunden Verspätung. Der Kapitän hat, wie versprochen, Gas gegeben und wir standen dann um 17:00 Uhr am Terminal 4 des JFK.
Um 17:30 Uhr stiegen wir bereits in den „AirTrain“.

So What?

Ich hatte stundenlange Wartezeiten und mürrische Beamte in Erinnerung. Nix. Es war völlig leer. Die meiste Zeit ist für das Laufen durch die Queus drauf gegangen. Ein ausgesprochen freundlicher Beamter am Einreiseschalter (Foto und Fingerabdrücke abgeben!), das war es.
Ach ja, nach ESTA hat auch niemand gefragt.

Rob Ewans

Unser Platz in der Sonne in Tegel waren an die Wand verschraubte graue Stahlsitze im An- und Abfahrtbereich des Terminals A. Auf einem der grauen Sitze neben uns liegt eine flauschige, graue Hülle. In der Hülle ist ein nagelneues Mac Book. Weit und breit niemand, dem das Ding gehören könnte. Beim Aufklappen sehe ich als Anmeldenamen „Rob Ewans“. Was tun? Der Junge sitzt vermutlich schon tränenüberströmt im Flieger nach London.
Fundbüro? Das Mac Book wird dann am Ende des Jahres versteigert und mit dem Erlös kann der Berliner Senat weitere drei Minuten das Licht auf der BER Baustelle brennen lassen. No Way!
Einpacken und im Handgepäck in die USA ein- und ausführen? Rob Ewans ist eventuell der Verfasser der Grabrede vom Ossama Bin Laden, da verstehen die Amis definitiv keinen Spaß.
Also gebe ich das Teil erst mal bei einem etwas mürrischen Russen bei der Gepäckaufbewahrung ab. Bei der Rückkehr hätten wir versucht, den Besitzer (Mailaccount) ausfindig zu machen.

Kurze Zeit später sehen wir einen Englishman (die sehen immer so aus, als wären sie mit Prinz Charles verwandt) traurig seine Runden ziehen.

„What are you looking for?“
„My Laptop, oh my God…“
„What‘s your Name?“
„Rob.“
„Ewans?“

Der mürrische Russe bekam von Rob 7,50 Euro für einen Kalendertag Aufbewahrung.
Es ist so einfach, Menschen glücklich zu machen.

Travels (II)

Wenn man sich in einer masochistischen Phase befindet, sollte man zur Steigerung der Lust einmal mit der Delta von Tegel nach New York fliegen. Das Check-In am Schalter war noch recht einfach, es war leer. Der Grund dafür waren 2 Stunden Verzögerung im Abflug.

Die wurden, vermutlich aus Gründen der Geheimhaltung, leider im Internet nicht angezeigt. Wir waren die vorgeschriebenen 2 Stunden früher am Flughafen, hatten also noch 4 Stunden Zeit in Tegel zu verbringen. Bei sonnigem Wetter ein wenig draußen sitzen? Fehlanzeige. Das gesamte Gelände besteht aus verwahrlosten, wenn auch sehr teuren, Parkplätzen und improvisierten Terminals.

Irgendwann haben wir es dann zur Sicherheitskontrolle geschafft, die ging ebenfalls nur in Zeitlupe vor sich. Mittendrin ein junges Mädchen, das mit Fragen wie:

„Did you receive anything on the Airport?“
„Did you buy anything on the Airport?“

versuchte ihren Beitrag im Kampf gegen den internationalen Terrorismus zu leisten. Da Claudia ein „SSSS“ (Secondary Security Screening Selection) auf ihrem Boarding Pass hatte, durfte sie noch zum erweiterten Test auf Sprengstoff.
Alles ging sehr, sehr langsam und gründlich vor sich. Es ist eng, warm und die Luft riecht nicht gut. Alle sind genervt, nach Spanien fliegen ist deutlich einfacher. Es gibt in unserer Politik Leute, die wollen wieder die Grenzen dicht machen. Guten Flug.

Der Transitraum wurde auch zu Zeiten gebaut, in denen sich noch niemand vorstellen konnte, dass es einmal große Flugzeuge geben würde. Es gibt 50 Sitze mit Plastikschalen und eine (!) Toilette. Irgendwann haben wir es dann aber doch in den Flieger geschafft. Der Kapitän versprach richtig Gas zu geben und etwas von der Verspätung aufzuholen.

Eine kleine Ergänzung. Es gab gerade etwas zu Essen. Das Besteck war aus sehr, sehr weichem grauen Kunststoff.

  • Positiv: die Halsschlagader der Stewardess ist sicher.
  • Negativ: das kleine Tütchen mit der Aceto-Balsamico-Olivenöl-Mischung ließ sich mit dem Messer leider nicht auf sägen.

Jeder depressive, Selbstmord gefährdete Insasse einer geschlossenen Anstalt bekommt zum Essen schärferes Werkzeug in die Hand.

Travels (I)

Wir waren vor 25 Jahren das letzte Mal in den USA. Damals war das Reisen dorthin recht einfach. Man setzte sich mit seinem deutschen Pass in den Flieger, füllte einen Zettel („Waren Sie Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen?“) im Flugzeug aus und das war es.
Das Essen wurde noch mit Edelstahlbesteck serviert und man konnte sein Shampoo im Handgepäck mitführen. Der Zoll wollte nicht mal in den Koffer schauen, wir kamen ja aus Deutschland.

„Viel Feind viel Ehr…“
Die Politik der amerikanischen Regierungen in den vergangenen 25 Jahren hat die Anzahl der Feinde augenscheinlich kräftig vermehrt. Ähnlich wie in den Märchen, in denen der Prinz die Prinzessin haben möchte, sind vor Einreise in das Land der Verheißungen eine Reihe von Prüfungen abzulegen.
Das Abenteuer beginnt bereits am heimischen Schreibtisch und heißt ESTA. Die erste Prüfung ist, das richtige ESTA zu finden. Bei Google gibt es jede Menge Trittbrettfahrer, die ESTA für 100 USD „Made in Bulgaria“ anbieten. Mein erstes ESTA-Erlebnis fand auf einer bulgarischen Website statt, glücklicherweise schickt mir meine Bank bei verdächtigen Zahlungen eine SMS zur Absicherung, also zweiter Anlauf – Website Homeland Security.
Ich hatte bereits beim Öffnen der Seite so einen komischen „Edward Snowden“ Flashback. Beim Lesen des Kleingedruckten wird einem da auch nicht wirklich besser. Das sorgfältige Ausfüllen hat dann auch gefühlt eine ganze Ewigkeit gedauert. Einer der Gründe dieses elektronischen Verfahrens ist die Einsparung von Papier. Damit geht einher die Zeitersparnis für die Erfassung (vulgo „das Abschreiben“) der Zettel aus dem Flugzeug.
Warum ich am Ende der Prozedur noch zwei mal 14 USD an die amerikanischen Behörden überweisen musste, erschließt sich mir nicht so recht. Aber es heißt ja nicht umsonst „teure Freunde“.
Falls wir nicht zurück kehren, sitzen wir vermutlich für zweimal lebenslänglich plus 140 Jahre in irgend einem Bundesgefängnis.

Weil ich das ESTA falsch ausgefüllt habe.

Abu Dhabi(III) – Louvre

Es ist Dienstag und wir machen uns nach dem Frühstück auf zur größten Attraktion der Kunstwelt des letzten Jahres. Louvre Abu Dhabi. Wir können das Bauwerk vom Balkon unseres Hotels sehen.
Wir überqueren mit dem Taxi eine Brücke auf dem Weg zu einer der vielen künstlichen Inseln. Auf Saadiyat Island entsteht ein neues Kulturviertel. Neben dem Louvre wird hier das Guggenheim Abu Dhabi und ein Nationalmuseum entstehen. Was wir bei unserer Ankunft sehen, ist sicherlich nach Angkor ein Highlight dieser Reise. Das Museum ist architektonisch schlicht überwältigend. Konzipiert ist die Sammlung des Louvre auf die Zeit von der Antike bis zum 21. Jahrhundert. Die Ausstellungen sind sorgfältig kuratiert (die Scheichs sind wahrscheinlich mit einer sehr großen Brieftasche einkaufen gegangen) und mit modernster Technik präsentiert.
Alles wirkt luftig, leicht und sehr stylisch. Nach dem Gang durch die Ausstellung kommt man in den Innenhof des Doms. Das Spiel aus Licht und Schatten, die wabenförmige Elemente der Kuppel und die glatten weißen Einbauten geben tolle Bilder.
Wir sind mit unserer Entscheidung, Abu Dhabi zu besuchen, im Reinen.