Monthly Archives: August 2017

Wien (II)

Auf der Strecke in die City kamen wir an dem imposanten Bauwerk des Karl-Marx Hofes vorbei. Hier standen 1934 die Geschütze in der Revolte gegen die Regierung oder besser Diktatur des Austrofaschisten Engelbert Dollfuss und beschossen die dort wohnenden Arbeiter. Wien war (oder ist) rot, links und sehr genossenschaftlich organisiert. Wenn man den imperialen Bezirk innerhalb des Opernrings verlässt, findet man an allen Ecken Bauten der Stadt Wien oder genossenschaftlich organisierte Bauten („Höfe“ und jeder trägt einen Namen). Die Mieten sind erschwinglich, die Höfe sind gut in Schuss. Die
Wohnungen sind nicht verkäuflich und werden kommunal verwaltet. Die Kindertagesstätten sind in ausreichender Anzahl vorhanden und kostenfrei. Der Nahverkehr ist erschwinglich (Einzelkarte 2,20 Euro). Es gibt ein gut ausgebautes Netz an Radwegen durch die ganze Stadt. Wien kommt damit nach Melbourne auf Platz 2 der Großstädte mit der besten Lebensqualität weltweit.

Wien (I)

Nach meinem Besuch bei Linbit (DRBD9 mit CEO) und einem gemeinsamen (erfolgreichen) Besuch im Salon von Lena Hoschek beschlossen wir einer wichtigen wienerischen Tradition – Heurigenlokale in Neustift, Heiligenstadt, Sievering, Grinzing, Nussdorf besuchen – nachzugehen. Mit der U-Bahn Linie 4 bis zur Endstation und dann noch ein Stück mit dem Bus, landet man auf dem Kahlenberg.
Neben einer grandiosen Aussicht auf Wien konnten wir auch noch ein bisschen KnowHow aus dem Geschichte ausgraben. Der polnische König Johann III. Sobieski  hat am Kahlenberg am 12. September 1683 die Türken bei ihrer Belagerung von Wien entscheident gestört und damit verhindert, dass die Debatte über die Islamisierung des Abendlandes schon vor 400 Jahren stattfand. Die AFD hätte wahrscheinlich heute kein Wahlkampfthema mehr.

Nach einer wunderbaren Wanderung durch die Weinberge und einem sehr erbaulichen Gespräch über Bernard Montgomery („Monty“, welcher Market Garden in den Sand gesetzt hat („A Bridge to far“)) fanden wir das erste Heurigen Lokal und dann noch Eins..

Das Zeug wird immer im Viertel getrunken, dazu Schmankerl (nicht halal). Das Lokal (Nussdorf, Schübel-Auer, sehr nett)  hatte zum Glück einen Anschluß an die Tram („D-Wagen“) und die brachte uns wieder in die City und zum Hotel.

Deutschland im Rückspiegel

Da es nicht ausreichend ist, dass mir die EU bei jedem Tankstellenbesuch ein Horrorkino auf Zigarettenpackungen bieted, wird alle Jahre in Deutschland der öffentliche Raum mit den Gesichtern von Politikern (und Solchen, die es gern werden wollen) dekoriert.
Ich habe noch nie jemanden getroffen, der seine Wahlentscheidung nach Gesichtern an Laternenpfählen trifft.
Ich hoffe immer, dass die Parolen („Bildung darf nichts kosten“, Glückwunsch SPD!) keinen Rückschluss auf die Grad der Bildung der Wähler (oder der Parteien) zulassen.

Kürzlich, ich war gerade dabei meine Garage aufzuräumen, stand eine Frau mit Hund in meiner Einfahrt. Sie stellte sich als Saskia Ludwig von der CDU vor und bat mich sie zu wählen. Sie sah der Frau auf den Plakaten nur sehr entfernt ähnlich. Das unterstützt meine Theorie, dass die meisten Orte der Welt in ARTE Reportagen interessanter aussehen als in Natur. Ich war leider nicht schnell genug, um sie zu fragen wie ihre Partei mit der anstehenden Umpolung des Erdmagnetismus umgehen will. Sie war schon zur Nachbarin geeilt, um auch von ihr gewählt  zu werden.

Ein paar Tage später saßen in Babelsberg beim Italiener die Genossen Platzek und Gerber am Nebentisch. Immer wenn ich den Ex BER Aufsichtsrat Platzek sehe, wundere ich mich weshalb der in Freiheit draußen herum läuft. Beim Bezahlen der Rechnung kam ich nicht umhin den Satz „Albrecht, lass dich im Wahlkampf nicht mit dem Schulz sehen..“ vom Nebentisch zu hören.
Ja gut, dass die Sozis einen zum in die Rente schicken brauchen nach der Wahl, war doch bereits mit dem Erscheinen von Martin Schulz klar.

But, who the fuck is Albrecht Gerber?