Reims
Wer auf der A4 nach Paris fährt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen und einen Abstecher nach Reims zu machen. Die Stadt ist bekannt für den Champagner (G. H. Mumm, Louis Rœderer), Krönungsort der französischen Könige („Le Roi“) und Ort der Kapitulation der deutschen Wehrmacht („Jodl“) am 7. Mai 1945.
Ein Besuch der Kathedrale Notre-Dame ist ein absolutes Muß und eine gute Einstimmung auf die bevorstehende architektonische Reizüberflutung von Paris.
Paris (I)
Dank der kürzlich im Auto entdeckten USB-Schnittstelle und Navigon sind wir, abgesehen vom üblichen Stau auf der Périphérique, gut in Paris gelandet.
Unser Appartement befindet sich im Schatten des Centre Pompidou („La Raffinerie“, Labor Drax in „Moonraker“), einer 160 Meter langen und 40 Meter hohen Monstrosität. Der Besitzer Pascal hat in den 30 qm (riesig für Pariser Verhältnisse) alle Gadgeds der Kunst und Technik verbaut, die möglich sind. Wir sind zu Fuß in 15 Minuten am Louvre, also Mitten in der Stadt.
Paris (II)
Die erwähnte architektonische Reizüberflutung setzt sofort ein, wenn man in Paris aus dem Haus tritt. Die Stadt hat das große Glück von den kriegerischen Katastrophen des letzten Jahrhunderts verschont zu sein. Ich sitze auf einem Stuhl (hinten kurze Beine zum Sonnenbaden) im Jardin des Tuileries («insurrection du 10 août») mit Blick auf den Louvre und das Musee d’Orsay,
Wahnsinn.
So etwas gibt es nirgends sonst auf der Welt. Der Wahnsinn ist leider auch begehrt und irrsinnig teuer. Der Blick in die Schaufenster der Immobilienmakler (53 qm 2200 Euro kalt und städtischer Randlage) zeigt die Ursache der astronomischen Preise in Paris. Essen und Trinken erzeugen einen unheimlichen Sog im Geldbeutel.
Abercrombie & Fitch
Auf dem Champs Élysées kurz vor der U-Bahnstation Franklin Delano Roosevelt befindet sich ein vergoldetes Tor als Zugang zu einer Villa. Auf jeder Seite ein Wachmann (jung, sehr muskulös im Freizeitdress). Die Tatsache, dass jede Menge junger Menschen durch das Tor strömten, erweckte meine Neugier und wir folgten. Die Villa stellte sich als Departmentstore der Klamottenschneider von Abercrombie & Fitch heraus.
In einem riesigen, mehrstöckigen, barock gestalteten Innenraum wird mit jungen Männern (freier Oberkörper, sehr homoerotisch) und Parfum in der Luft eine Messe des Kapitalismus in Reinkultur zelebriert. Hier wird mit einer irren Menge Geld professionell das Image eine Marke etabliert. An diesen Altären sind die großen Verführer („Vance Packard“) dabei neue Religionen zu erfinden.
Das eigentliche Produkt (Claudia: „Hühnermode“) der Marke ist außerhalb dieser Umgebung jedoch recht trivial.