Grenzen & Wegezoll

Wir Wien haben verlassen und bewegen uns auf der E 59 zügig in Richtung Slowenien.

An der Grenze in Spielfeld das erste Mal Stacheldraht. Ein paar skeptisch blickende BGS-Beamte sind uns schon an der deutsch-tschechischen Grenze aufgefallen, doch diese Grenze sieht erstmals wie eine Grenze aus. Als ehemaliger DDR-Bürger weiß man wovon man redet. Aber das Verlassen der (un)vereinigten Staaten von Schengen ist ja noch recht harmlos. Nach weiteren 90 Minuten Fahrt befinden wir uns am Rand von Schengen. Der Stacheldraht hat exponentiell zugenommen, die Zäune sehen hoch und professionell aus. Überall Scheinwerfer und Kameras. Zelte mit Queues für einreisewillige Flüchtlinge (Asylanten, Asylsuchende, Geflüchtete?), von denen jedoch keine Spur. Hier haben die Zaunbauer auf jeden Fall prächtig verdient. Aber wir wollen ja raus, kein Problem.

Auf der anderen Seite stehen ca. 10 Km Autos in 3 Spuren, die den Rücksprung in unsere Galaxie probieren. Die wollen rein und das dauert.

„Wegzoll (auch Wegezoll oder Wegegeld) war eine Abgabe an den jeweiligen Grundherrn von Reisenden und Kaufleuten, damit dieser Personenkreis die Straßen und Wasserwege des Landes nutzen durfte. Wegzoll, auch durchgesetzt durch den Straßenzwang, war besonders im Mittelalter stark verbreitet und neben den Zahlungen aus dem Stapelrecht eine wichtige Einnahmequelle. Heute ist der artverwandte Begriff Maut geläufiger.“ Wikipedia

Beim Start hatte ich nur die Abgasvignette auf meiner Windschutzscheibe, nach 3 Tagen Fahrt hat sich das Sichtfeld bereits stark eingeschränkt. Als da wären
eine tschechische Vignette (10 Tage 12,50 Euro),
eine österreichische PKW Vignette („Pickerl“, 10 Tage 8,90 Euro)
und eine slowenische Vignette (ich muss ja auch wieder zurück, 1 Monat 30,00 Euro).
Die Slowenen sind für gefühlte 50 km Autobahn hier die absoluten Nehmer.
Die Kroaten haben auch ca. 30,00 Euro Maut kassiert, waren aber so freundlich mir keinen weiteren Aufkleber auf die Scheibe zu pappen.

Das sind nach 3 Tagen rund 80 Euro Wegezoll. Ich vermute, dass unser Verkehrsminister Dobrindt die Tour mal gemacht hat und seither feuchte Träume in diese Richtung hat. Der hat aber vermutlich einen Fahrer, der den Mist wieder von der Windschutzscheibe abkratzt. Ich stehe dann wieder wie ein Idiot mit dem Fön in der Hand in meiner Einfahrt.
Der ADAC-Online Shop hat das Produkt Vignettenschaber („Einfach Vignetten und Aufkleber von Autoscheiben entfernen“) für 2,25 Euro im Angebot. Das ist auf jeden Fall gelebter Realismus.

Wenn ich mir aus diesen beiden Blickwinkeln Europa ansehe, sind wir dem Mittelalter vermutlich immer noch näher als der Zukunft.

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