Wir leben in Europa ohne viel Aufhebens damit, dass die Werbung in unseren Köpfen Lebensziele und Vorbilder formt, die in der Realität nicht erreichbar sind und uns lediglich zum hemmungslosen Konsum animieren sollen. In Europa, etwas Bildung und Wohlstand vorausgesetzt, kann Mann/Frau damit halbwegs umgehen.
Hier werden durch die Werbung mit einer unglaublichen Intensität Menschen aus einer Gesellschaft mit ehemals kollektiven Zielen zu individuellen Einzelkämpfern geformt.
Wir sitzen gerade auf dem Flughafen in Saigon und warten auf unseren Flug nach Da Nang. Die überall hängenden Bildschirme bombardieren die Köpfe mit den üblichen Footages aus Produktwerbung, Musikvideos und News aus dem Leben von Prominenten. 
Hier zielt die Werbung nicht nur auf Konsum. Es reicht nicht, Mercedes zu fahren. Du musst in dem Auto auch wie ein Europäer aussehen. Die Haare werden gefärbt, die asiatische Form der Augen („Schlitzaugen“, ist hier nicht rassistisch gemeint) wird mit allen Mitteln der vertuschenden Kosmetik europäisch gemacht. Das wirkt auf uns teilweise extrem grotesk und überzogen.
Es ist erstaunlich, dass die Vorbilder nicht mehr die überdrehten Japaner („Lost in Translation“) auch nicht die Amerikaner sondern die Europäer sind. Das Image besteht aus einer subtilen Mischung von Werthaltigkeit von Produkten und kultiviertem Lebensstil. Auf jeden Fall so wenig wie möglich asiatisch sein.
Die Zielgruppen für die Werbung hier sind viel jünger und werden durch das Fehlen von jeglicher Regulierung wesentlich aggressiver angesprochen. Das funktioniert wie Wasser in der Wüste.
Ein Blick auf das BIP von Vietnam reicht jedoch aus, um zu sehen, dass die Ziele am Horizont für die breite Masse der Menschen hier lediglich eine Fata Morgana sind.
Propaganda (II)
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