Fisch essen gehen ist hier für einen Ausländer ein echt abgefahrenes Erlebnis. Bei uns setzt man sich an den Tisch und erwartet eine Speisekarte. Hier kommt die Bedienung und erwartet von dem Gast einen kleinen gelben Klebezettel. Man erklärte uns, dass wir zuerst nebenan den Fisch aussuchen müssen und dann wird gekocht.
Im Nebenraum befindet sich eine Art überdimensionale Zoohandlung mit Spezialisierung auf Fische. Bei den einschlägigen Fischzubereitern in Deutschland ist ja das Angebot doch sehr begrenzt, hier gibt es allein Dutzende Arten von Muscheln und Schnecken, Langusten und Hummer in alle Größen. Vor allem, alles lebt noch.
Mich hat das ziemlich überfordert, also habe ich Claudia mit dem Kellner losgeschickt und habe die einfachen Sachen bestellt, Bier. Das Bier steht in Kartons bei 27 Grad herum und ist so nicht zu trinken. Eine weitere Servicekraft (alles junge Männer) läuft mit einem Emailleeimer herum und steckt einem ein Eisstück, halb so groß wie der Titanic Eisberg, ins Glas. Das Bier ist sofort kalt und nicht verwässert (Saigon Special).
Ein Bier später tauchte das Essen auf. Ein reichliches Pfund Baby Calamari (mit Sepia, weil lebte noch) und 4 ca. 25 cm lange und dicke Langusten vom Grill. Auch die haben bis zum Grill noch mit den Augen geklimpert. Das ist einfach Genuss pur.
Das Restaurant ist von Vietnamesen gut bevölkert. Sobald man als Europäer ein Bier in die Hand nimmt, gibt es Leute, die mit einem anstoßen wollen. Es wird reichlich gegessen und getrunken. Die Geräuschkulisse ist entsprechend. Alles was nicht auf dem Tisch benötigt wird (leere Dosen, Teller, Servietten) fliegt unter den Tisch.
Beim Verlassen des Ladens will ich noch ein Foto unter einem solchen Tisch machen. Sofort habe ich eine neue Dose Bier in der Hand und ein paar neue Freunde (die haben schon alle schön einen in der Krone), die sich unbedingt mit mir Ablichten lassen wollen.
Interessant auch die Rechnung. Die belief sich mit dem Bier auf umgerechnet 15 Euro.

