Wir waren am Donnerstag im Singpore National Museum. Das Bauwerk ist eine interessante Fusion aus einem kolonialen Gebäude mit modernen Erweiterungsbauten.
Ich hatte vor einer Weile geschrieben, dass es für uns schwer ist das Alter von Asiaten zu schätzen. Scheint denen auch so zu gehen. Der Mann am Kartenverkauf hat uns heute ohne jeden Nachweis die Seniorenermäßigung (ab 60 Jahre) eingeräumt. Wir sind uns noch nicht ganz sicher, ob Bestürzung oder die Freude über gesparte 14 SGD überwiegen.
Hier trifft man an jeder Ecke auf den Namen Thomas Stamford Raffles, den Gründer der Stadt. Das Museum ist eine wunderbare Visualisierung der kolonialen Vergangenheit bis in die heutige Zeit. Singapore war aber auch der erste Dominostein, der das Gebäude des britischen Kolonialreiches zum Einstürzen brachte. Wenige Tage nach Pearl Harbour landeten die Japaner in Malaya. Nur sechzig Tage später am 15 Februar 1942 kapituliert ein glückloser Arthur Percival mit 85 Tausend Soldaten vor nur etwas über 30 Tausend Japanern. Winston Churchill bezeichnet das Ereignis als:
„the worst disaster and largest capitulation in British history“.
Die Stadt bekommt bis zum August 1945 die Tokioter Zeit und den Namen „Syonan-to“ („Light of the South“) und soll zum Leuchtturm der neuen asiatischen Wohlstandszone werden. Statt dessen Repression und Hunger. In der Ausstellung „Surviving Syonan“ ist diese Zeit aus der Sicht von Kindern sehr eindrücklich dargestellt.
Nach der Rückkehr der Briten im Jahr 1945 war jedoch nichts mehr wie es vorher war. Die Malayen und Inder sehen, dass das britische Empire am Ende war. Die Armee war in der Lage Revolten in abgelegenen Dörfern niederzuschlagen, konnte aber keiner ernsthaften Herausforderung widerstehen. Malaysia wird 1957 unabhängig, Singapore vereinigt sich 1963 für zwei Jahre mit Malaysia, trennt sich wieder und ist als Stadtstaat seit 1965 unabhängig. Der Besuch des Museums war eine interessante Reise durch die Zeit und brachte eine Menge neue Erkenntnisse.