Wir lagen heute morgen so gegen 10:00 Uhr noch im Bett und tätigten einige Anrufe zum Heiligen Abend nach Deutschland. Plötzlich klingelte es. Ich sprang in meine Hose und sah mich im Vorraum einem freundliche Paar (Jackie und Alan) reiferen Alters gegenüber.
Jackie schwang ein Weihrauchfass (lat. Turibulum, auch Thuribulum) und wünschte überschwänglich „Merry Christmas“. Nachdem ich ihr den Verbleib der Hausbesitzer erklärt hatte, lud sie uns („Formal Invitation“) auf Pancakes ein.
Nach unserem Frühstück machten wir uns in die Epuni Street (250 sehr steile Meter zu Fuß) auf. Ich hatte natürlich in der Zwischenzeit die Hausnummer vergessen. Nach ein wenig Herumsuchen fanden wir, mit Kreide auf eine Stufe geschieben, das Wort „Pancake“. Im Garten saß bereits eine lustige Runde (Nachbarschaft, Aro Community) bei Kaffee, Sekt und Pfannkuchen (im Osten „Eierkuchen“). Wir erfuhren, dass sich die Community vor einigen Jahren erfolgreich gegen den Bau einer Schnellstraße und damit dem Abriss ihres Viertels gewehrt hatte.
Jetzt probt man den Spagat zwischen Instandhaltung (der oft sehr abenteuerlich aussehenden Häuser) und der (wie überall) drohenden Gentrifizierung.
Ein interessanter Aspekt des Lebens hier: „NZ hat keine Geschichte“. Das damit auch das Fehlen von Kultur einhergeht, hatten wir bereits gestern von Konstanze erfahren (sie ist Musikpädagogin und unterrichtet klassische Musik, Geige). Kinderlieder werden durch seichte amerikanische Pop-Music ersetzt, die Masse der Wähler (damit auch die politisch Verantwortlichen) halten eine Oper für extravagant und snobistisch. Die einzige Company in NZ inszeniert ganze 2 Opern im Jahr.
Der überall augenscheinliche Aktionismus (Sport, Freizeit) soll das Fehlen von Kultur und Geschichte kompensieren. Das Problem der Leute (zumindest der gebildeteren) ist: „Wenn ich ein Renaissance Gemälde sehen will, muss ich um die halbe Welt fliegen“. Auch das Fehlen von geschichtlicher Verantwortung (mangels vorhandener Geschichte) ist für die Leute ein Problem. Es ist augenscheinlich besser, schwarze Flecken (Deutschland) in der Geschichte zu haben, als keine Geschichte. Hier in diesem Land wird scheinbar politisch recht viel herum gestümpert (blundering). Das war für uns ein recht interessanter Aspekt des Lebens hier.
Jackie erzählte uns dann, dass sie bereits mehrfach Pilgerwege in Europa (nicht den Jakobsweg, „this is pilgrim industrie“) ausschließlich zu Fuß bereist hat. Von London nach Rom, im nächsten Jahr von Rom nach Stade. Sie ist schon einiges in die 60er Jahre und der spirituelle Aspekt (nicht die Seite des Glaubens) war schon recht beeindruckend.
Nach zwei anstrengenden Stunden (die sprechen hier sehr schnell und wir müssen uns sehr konzentrieren um solche Themen „mit zuschneiden“) sind wir wieder von dannen gezogen.

