Wir sitzen auf dem Da Nang Airport und warten auf unseren Flug nach Saigon. Nach 14 Tagen in dieser Gegend (Hue und Hoi An ist hier quasi um die Ecke) ist es an der Zeit, ein erstes Fazit zu unseren Erlebnissen zu ziehen.
Wir haben hier viele unglaublich nette und hilfsbereite Menschen getroffen. Der Tourismus ist ihre Haupteinnahmequelle. Die Chance zu etwas Wohlstand. Dafür wird mit Hingabe sehr viel und lange gearbeitet.
Hier setzt aber auch, wie überall auf der Welt, die Flucht der jungen Leute vom Land in die Städte ein. Wie es auf dem Land aussieht, konnte man nur aus dem Zug oder dem Auto heraus erahnen.
Das System der immer noch vorhandenen staatlichen Regulierung bemerkt man als Tourist positiv. In den Taxis gibt es genormte Taxameter, Geld tauschen findet überall zum gleichen Kurs und ohne betrügerische Nebenkosten statt. Wir haben uns auch abends in dunkleren Nebenstraßen sicher gefühlt. Es wird nicht aggressiv gebettelt, die Menschen sehen gut ernährt, sauber und gebildet aus. Eine der Schneiderinnen erzählte mir, dass es einer der größten Vorteile in ihrem Job sei, jeden Tag englisch sprechen zu können. Die Sprache war halt kein Schulfach, ist aber die Grundvoraussetzung für berufliches Weiterkommen.
Das ist aber auch nur der Blick durch die Fenster von luxuriösen Hotels auf die gepflegte Landschaft des Vorgartens.
Vietnam verfügt über viele hundert Kilometer phantastische Strände. In Da Nang kann man aber bereits die finstere Seite des Massentourismus sehen. Eine riesige Hotelanlage nach der nächsten frisst sich in Richtung Süden den „China Beach“ die Küste herunter.

Das ist ein Blick auf das hintere und ältere Ende des China Beach. Hier geht das Licht bereits wieder aus.
Rund jedes Zehnte Bauvorhaben steht als Ruine halb fertig gebaut in der Landschaft. Hoi An ist fast erreicht und der Bauboom wird in den kommenden Jahren die noch unverbauten Strände schlucken. Straßen und Brücken zur Verlängerung des Strip sind bereits im Bau. Vietnam ist dabei zum „Ballermann“ Südostasiens zu werden. Die Masse der Touristen kommt bereits heute „all inclusive“ aus Südkorea und China. Kleinere Hotels, teilweise in zauberhaften Landschaften, stellen mangels Gästen bereits den Betrieb ein.

Urban Gardening findet man auch noch mitten in Da Nang. Das angebaute Obst und Gemüse wird direkt nebenan in den Straßenrestaurants verarbeitet. Leider ist aber auch die Zeit solcher Flächen gezählt.
Hier ist kein Konzept und keine Struktur erkennbar. Die ökonomischen und ökologischen Folgen können sich die Verantwortlichen in Thailand ansehen. Hier wird nur für den Augenblick geplant und investiert, hier entsteht eine der nächsten riesigen Immobilienblasen. Das Geld, sehr viel Geld, kommt aus Südkorea, Japan und China.
Das Ganze läuft unreguliert und in sehr hoher Geschwindigkeit ab. Korruption ist auch in Vietnam ein riesiges Problem. Die roten Fahnen und Plakate auf den Straßen können nicht darüber hinweg täuschen, dass hier Kapitalismus in Reinkultur betrieben wird.
Wir können uns für diese freundlichen Menschen hier nur wünschen, dass sie (durch welches Wunder auch immer) vom nächsten Erdbeben des Finanzkapitalismus verschont bleiben.
