Propaganda (III)

Wir sind wieder in Saigon. Es ist unglaublich heiß und schwül hier. Trotzdem haben wir heute morgen noch einmal einen Anlauf zum Besuch des Präsidentenpalastes aka „Wiedervereinigungspalast“ unternommen. Das Ticketoffice war geöffnet und nachdem wir 40k VDN (knapp 2 Euro) pro Person entrichtet hatten, durften wir das Gelände des Palastes betreten.
Ich war sehr skeptisch (Propaganda), ob sich der Besuch lohnen würde. Was hier jedoch an Architektur und Geschichte geboten wurde hat mich angenehm überascht. Auf dem Gelände stand der alte Palast des französischen Gouverneurs. Dieser wurde später von Präsident Diem weiter genutzt. Am 27. Februar 1962 rebellierten zwei Piloten der südvietnamesischen Luftwaffe. Sie fliegen mit ihren Maschinen zum Palast und werfen ihre Bomben, mit dem Ziel Präsident Diem zu töten, ab. Das Vorhaben missglückt, der Palast wird aber irreparabel beschädigt und wird abgerissen. Der vietnamesische Architekt Ngo Viet Thu baut in einer bemerkenswerten Mischung aus Konfuzianismus, Taoismus und der Moderne der 1960er einen neuen Palast. Präsident Diem bekam den fertigen Palast jedoch nie zu sehen. Er wurde das Opfer eines Coup d’etat im Jahre 1963. Dannach bezogen die Herren Thieu und Ky den Palast und regierten dort bis zu dem Tag, als 1975 zwei chinesische Panzer der nordvietnamesichen Armee durch das Tor stießen und die Republik Vietnam aufhörte zu existieren.
Der Palast ist trotz seiner Betonoptik ein sehr angenehmes Stück Architektur.

So sehen die repräsentativen Räume des Palastes aus. Alles ist unbeschädigt, selbst die Teppiche sind sauber und gepflegt.

So sehen die repräsentativen Räume des Palastes aus. Alles ist unbeschädigt, selbst die Teppiche sind sauber und gepflegt.

Wir bekommen in einer weitläufigen und luftigen Umgebung einen Einblick in die Zentrale der Macht Südvietnams in den 1970igern. Für mich war es erstaunlich, dass der Palast mit seinen Möbeln, Teppichen
und sonstigen Devotionalien im Originalzustand zu sehen ist. Man hat vollständig darauf verzichtet irgend etwas zu kommentieren bzw. Versatzstücken (von den beiden chinesischen Panzern im Garten abgesehen) des nationalen Befreiungskampfes hinzuzufügen. In den Repräsentationsräumen stehen Geschirr und Gläser auf den Tischen, die Wohnräume des Präsidenten sind noch vollständig möbliert. Alles ist in einem sehr geschmackvollen Stil (heute ja wieder Retro) eingerichtet.Nichts wurde geplündert oder verwüstet.

Hier unten im Bunker ist alles noch original (US Army Grau) eingerichtet, sauber und betriebsbereit.

Hier unten im Bunker ist alles noch original (US Army Grau) eingerichtet, sauber und betriebsbereit.

In der Kommandozentrale im Keller hängen noch die Karten mit den letzten Eintragungen von 1975. Die Funkgeräte und Telexmaschinen (GE und Motorola) sehen aus als benötigten sie lediglich Strom um ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Selbst der Fluchthubschrauber des Präsidenten steht noch auf dem Dach. Der Besuch hat sich dort auf jeden Fall gelohnt.

Der Hubschrauber des Präsidenten, der Vizepräsident Ky war selbst Kampfpilot und konnte das Ding fliegen. Die beiden roten Kreise zeigen Bombentreffer eines südvietnamesischen Piloten von 1975, die am Gebäude jedoch keinen Schaden anrichteten.

Der Hubschrauber des Präsidenten, der Vizepräsident Ky war selbst Kampfpilot und konnte das Ding fliegen. Die beiden roten Kreise zeigen Bombentreffer eines südvietnamesischen Piloten von 1975, die am Gebäude jedoch keinen Schaden anrichteten.

Noch ein kleiner Nachtrag zum gestrigen Tag. Als unser Airbus zur Runway fährt, sehe ich auf einem Stellplatz zwei Grumman Greyhound der US Navy mit laufenden Motoren. Das sah für mich eher ungewöhnlich aus. Heute morgen sehe ich bei CNN (https://edition.cnn.com/2018/03/03/asia/vietnam-us-uss-vinson-intl/index.html) das der amerikanische Träger USS „Carl Vinson“ vor Da Nang liegt. Seit dem Ende das Vietnamkrieges ist das der erste Besuch dieser geopolitischen Waffe der Amerikaner in Vietnam. Der Hintergrund ist, dass die Vietnamesen mit den Chinesen seit langem über einige Inseln im südchinesischen Meer im Clinch sind. Mit der Aufhebung der Embargos unter Obama finden sich hier augenscheinlich neue Allianzen zur Unterstützung der vietnamesichen Interessen.
Das ist 50 Jahre nach Tet 1968 doch recht bemerkenswert.

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