Paris im Rückspiegel

Paris (III)

Um 10:00 Uhr Hôtel de Ville (Danke, UTF-8 !) die Schlange ist noch recht kurz. Ich bin neben einem sehr frühen Schwulenpärchen der einzige Mann in der Schlange. Haute Couture showcased at the Hôtel de Ville. Mit dem zweiten Schub stehen wir vor dem Security Check. Drinnen eine Austellung über Glanz und Glemmer, beginnend bei den Manufakturen im späten 19.Jahrhundert bis zur heutigen Multi-Milliarden Dollar Industrie. Namen wie Chanel, Nina Ricci, Schiaparelli, Balenciaga, Christian Dior,  Givenchy,  Cardin,  Yves Saint Laurent,  Jean Paul Gaultier sind mit ihrer Vita und ihren Stoff gewordenen Träumen zu sehen. Auf den Bildschirmen Claudia Schiffer, Kate Moss & Co. Die hochgezüchteten Rennpferde der Konsumgesellschaft, nutzlos, aber verdammt gut anzusehen.

Paris (IV) – Kapitalismus ist wie ein toter Fisch im Mondschein..

Nach einem ausgiebigen Fußmarsch landen wir am Place Vendôme. Dort bekommt des Wort (Groß)Bourgeoisie ein ganz reales Gesicht. Cartier, Chaumet, Van Cleef & Arpels, Bulgari. Ein paar Schritte weiter Galeries Lafayette am Boulevard Haussmann. Nicht ein einzelner Laden, wie in Berlin. In drei riesigen Häusern überquellender Wohlstand. Die Dachterasse im siebten Stock bietet einen kostenfreien, phantastischen Blick über die Stadt.
Am Abend ist überall in der Stadt die „Fête de la Musique“. Nach dem Essen (Au Rocher de Cancale, sehr empfehlenswert) gibt es auf der Rue Montorgueil noch eine Stunde Techno zum Tanzen.

Monet Industries

Am Samstagmorgen stopfe ich 91(!) Euro in den Kassenautomaten des Parkhauses. Dann verlassen wir die Stadt über den Champs-Élysées in Richtung Normandie.
Eine innere Unruhe hat uns bereits um 7:00 Uhr im Auto unterwegs sein lassen. Nach ca. 100 km auf der Autobahn ein kleines Früstück auf dem Wochenmarkt in Vernon. Unser Ziel lässt uns erst ab 9:30 Uhr zu sich.
Claude Monet starb am 5. Dezember 1926 in Giverny, einem kleinen Straßendorf (500 Einwohner) an der Seine. Er besaß dort ein Haus mit einem großen Garten. Dazu gehört jener aus seinen Bilder weltberühmte Teich mit den Seerosen. Der Reiseführer rät: „Kommen Sie früh!“. Wir stehen also pünktlich zur Öffnung an der Kasse und haben dann ca. 20 Minuten, bis sich ein riesiger touristischer Mob über Haus und Grundstück hermacht. Der Weg durch den Garten und über die Brücke am Teich gelingt nur noch im Gänsemarsch in Gruppen von amerikanischen und japanischen Touristen. Japaner sind übrigens leicht an ihrem grauenhaften Bekleidungsstil zu identifizieren.
Nach einer knappen Stunde ist der „romantische Kunstgenuss“ dann zum Glück auch erledigt.

Manoir de Savigny Valognes

Nach einem kurzen Stop in Rouen (Kathedrale, Essen „Brasserie Paul“) findet die nächste Reizüberflutung beim Einkauf in einem der riesigen Carrefour-Supermärkte statt. Die Abteilungen Wein, Käse, Fisch und Schinken überfordern den Einheitsessen-Deutschen komplett. In diesen Einkaufstempeln wird einem immer die kulinarische Wüste bewußt, in der wir in Deutschland vegetieren. Dank Navi finden wir unser Domizil in der Bocage. Normannische Häuser in einem riesigen Park. Neben den Hecken überall auch Palmen.
Auf dem Parkplatz steht ein englisches Ehepaar (beide bereits über 70) mit zwei Sportwagen der Marke Singer. Sie waren bereits seit einigen Tagen unterwegs. Es ist recht kalt und es regnet alle Stunde mal ordentlich. Da ist das Fahren in diesen offenen Kisten ein richtig harter Sport. Nach ein bischen Small Talk sind wir nun endlich angekommen.

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