Author Archives: sillner

Njongong

Heute haben wir den ultimativen Großkampftag. Wir zahlen Geld an fast 300 Kinder aus. Auf eine staubigen Schulhof mit einem schönen großen Baum in der Mitte, bauen wir unsere Tische auf und sind softort von Massen von Kindern umringt. Wir wollen eigentlich um 9:00 beginnen, von den Kindern fehlen jedoch noch die Zeugnisabschriften. Das macht der Lehrer dann live vor unseren Augen. That’s Africa.
Nach den obligatorischen Ansprachen von Joof und Dawda („You are the future, only the sky is the limit..“) beginnt das Prozedere. Caudia und ich sind wieder für die Fotos zuständig. ID, Front, Picture with family.
Jede der Mütter hat ein kleines Baby oder ist schwanger. Man kann hier der Bevölkerungsexplosion persönlich beiwohnen. Wir haben uns eine kleine Absperrung gebaut um Arbeiten zu können. Die Fotos werden außerhalb der Absperrung geschossen. _MG_4247

Das wird zum Nachmittag immer schwieriger. Der Ring der interessierten und aufgedreht herum blödelnden Kinder um uns wir immer enger. Schließlich flüchten wir uns ebenfalls in unsere Absperrung.
Gegen 16:00 Uhr ist das Werk endlich vollbracht.

Buschcamp (I)

Nach einer weiteren Auszahlung in NDofan fhren wir staubig und hungrig in Mr.Joof’s Buschcamp. Dort stehen einige feste Hütten (mit Betten) mitten im afrikanischen Outback. Als erstes Schwimmen. Es gibt dort Mangroven, die Flut kommt. Das Wasser ist zwar warm wie überall, aber der Staub kommt vom Körper. Der Master of the Camp Ebou (ein riesiger lustiger Kerl), versichert uns, dass hier keine Krokodile sind.

_MG_3427Dann gibt es Abendessen, Chicken, Zwiebel, Chips. Alles wird hier auf dem offenen Feuer bereitet. In allem ist immer ein bischen Sand. Joof hat irgenwoher (es gibt eigentlich nirgends Strom) Eis zum kühlen der Getränke beschafft. Leider keine Bier, ist halt ein muslimisches Land.
Ab Sieben ist es schlagartig Dunkel. No Bite an den Körper, es gibt einen Haufen Moskitos. In den Hütten sind es 30°, wie überall. Nach einer halben Stunde im Bett bricht draußen ein riesiges Gewitter los. Das Geräusch des Regens ist gewaltig auf den Wellblechdächern. Irgendwann schlafen wir ein.

Vincent Mendy

Dann ist es endlich soweit. Unser Patenkind Vincent Mendy steht vor der Linse. Das ist dann der Moment, an dem meine Assistentin verlorengeht. Den Rest unseres Aufenthaltes in Amdallai ist Claudia mit kleinen schwarzen Kindern und deren Mama’s beschäftigt.

_MG_2814Der kleine Vincent ist im Ranking auf Platz 4 von 52 Kindern, also ein guter Schüler. Er hat noch 4 Geschwister. Alles in Allem ein sehr schöner Beginn unserer Mission.

 

Amdallai

In Barra treffen wir unsere lokalen Kontaktleute Joof und Dawda. _MG_3549Die beiden sind hier wichtige Männer und sehr respektable Peronen. Einer unserer Reifen muss ummontiert werden (schöne Grüße an den deutschen TÜV) und wir haben einen Moment Zeit mal hinter die Häuser zu schauen. Eine Kombination aus Werft, Fischmarkt und Müllhalde. Ohne Geruch eigentlich unbeschreiblich.
In Njongong fahren wir das erste mal zu eine Schule um auf unseren Van noch Pakete zu laden. Die Schulen sehen hier auch ein wenig anders aus als in Europa. Unmengen von Kinder in jedem Alter sind auf den Beinen um uns zu begrüßen.
Nach einer kurzen Fahrt sind wir an der Grenze zum Senegal. An der Grundschule in Amdallai wollen wir das erste Schulgeld auszahlen. Unter einem Baum sitzen bereits die Mütter im besten (sehr farbenfreudigen) Gewand. Und wieder Unmengen von Kindern. Alle in der Grün-Weißen Schuluniform der Grundschule. Claudia und ich haben die Aufgabe due Kinder und Mütter nach Erhalt des Geldes für die Sponsoren in Deutschland zu fotografieren. In den nächsten Tagen werde ich ca. 500 mal immer wieder die selben Sätze „First i need a picture from your’e ID for the files“, „Please gimme a Smile..“.Die Jungs und Mädels sind zum Teil sehr scheu, die werden auch nicht jeden Tag fotografiert.

Schifffahrt (I)

Um auf die Northbank des Gambia River zu gelangen ist es notwendig die Fähre von Banjul nach Barra zu nutzen. Eines der wichtigsten Gesprächsthemen in der Stadt und auf der Northbank ist der Zustand der Fährschiffe.
Unsere Expidition steigt morgens um 05:30 Uhr noch ein wenig verschlafen in den Van, bewaffnet mit 1,5 Mio. Dalasi und in der Hoffnung um 09:00 die erste Fähre zu bekommen. Schon die Zufahrt zur Fähre (noch bei kompletter Dunkelheit) ist sehr fremd für einen Europäer. Eine Seitenstraße mit einem unbeschreiblichen Chaos.
Fussgänger mit jeder Form von Lasten auf dem Kopf, Ziegenherden, LKW’s (ohne Rußpartikelfilter), alles schreit und palavert durcheinander. Dazwischen die Fahrer der LKW’s (die warten teilweise 3 Wochen auf eine Überfahrt) seelenruhig beim Morgengebet.
Unser Guide Ebrima hat für unsere Hilfsorganisation einen „Letter of Priority“ beschafft. Damit sollten wir vorrangig auf die Fähre gelangen. Die Fähre existiert jedoch nur als Gerücht. Von den drei Schiffen sind in der Regel 2 defekt. Für zwei neu angeschaffte Fähren existiert keine passende Pier. That’s Africa.
Ebrima kämpft wie eine Löwe um unsere Einfahrt in den Fährbereich. Das alles bei morgendlichen 30° Celsius._MG_2574_small
Plötzlich kommt ein Schiff. Ein weiteres wahnsinniges Chaos bricht aus. Passagiere von der Fähre runter, Lastenträger rauf. Die Anlegerbrücke hat sich nicht ausreichend abgesenkt, also einen riesigen LKW rauffahren bis das Ding passt.  Wir haben Glück, wir sind auf der Fähre, das Ding ist nicht untergegangen. Wir sind auf der Northbank.

Money makes the World go round (auch in Afrika)

Unsere Mission ist bei dieser Reise die Auszahlung des Schulgeldes an viele kleine und große Schüler in Gambia. Dafür braucht es beim Kurs von 1:45 eine Menge (auch Gewicht) Geld.

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Nachdem wir wieder im Hotel gelandet sind, haben wir einen großen ALU-Koffer voller Geld (1,5 Mio. Dalasi) ausgeleert. Das Geld wurde jetzt für die einzelnen Kinder konfektioniert. Leider kann man sich Geld hier nicht so wie in Europa vorstellen. Dauerhafter Gebrauch und die hohe Luftfeuchtigkeit führen zu einer schnell einsetzenden Kompostierung der Scheine. Die ganze Aktion dauerte fast 4 Stunden und glich teilweise einer Tätigkeit in der Dokumentenarcheologie. Es ist jetzt alles gepackt, morgen früh um 05.30 Uhr geht es über den Gambia River in den Busch.

Ach ja, noch was für Insider

PING www.iunds.com (212.202.245.151) 56(84) bytes of data.
— www.iunds.com ping statistics —
18 packets transmitted, 7 received, 61% packet loss, time 65273ms
rtt min/avg/max/mdev = 230.030/863.293/1356.531/367.309 ms, pipe 2

Das Internet funktioniert hier genau so schnell wie alles Andere, warum auch nicht.

Kampf gegen den Terror

Unser Van (Mercedes Modell aus den frühen Neunzigern) brachte uns pünktlich zur Bank. Auf dem Parkplatz wurden wir schon herzlich von der Managerin empfangen, Küsschen, Fotos.., auch in Richtung Straße.
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Dummerweise befindet sich auf der linken Seite der Straße die amerikanische Botschaft..

Plötzlich steht neben mir einer der Securitys und will meine Kamera sehen. Ich wußte bis zu dem Zeitpunkt noch nichts von der Nähe der Behausung unserer Verbündeten. Aha, auf einem der Bilder ist die Flagge um Anschnitt zu sehen. Also, „Folow Me..“

Am Ende einer sehr langen und sehr schmalen Gasse steht schon eine kleine Polizeieinheit. Volker und unser Guide Ebrima begleiten mich. Die Szene gibt es eigentlich nur in irgendwelchen Filmen, dachte ich..

Der Anführer redet mit uns streng, die Securitys wollen unsere ID’s, die sind natürlich im Hotel. Zum Glück kann sich wenigstens unser Guide ausweisen. Fotos zeigen.

Warum? Was machen Sie hier? Wo kommen Sie her? Foto löschen!
Wir wissen jetzt, dass der Kampf gegen der Terror auch hier veranstaltet wird.

Dann kommt der Mann im blauen Anzug. Der hatte definitiv den investigativen Touch von der CIA. Der befragte uns ein weiteres Mal.
Jetzt an die Wand, einzeln.. zum Glück (oder wer weiß) nur zum fotografieren. Die ganze Aktion dauert fast 45 Minuten. Die Anderen waren erleichtert als wir wieder in der Bank auftauchten.

Der nächste Versuch einer Einreise in die Staaten wird möglicherweise eine mühsame Angelegenheit.

13°26’58″N,16°43’19″W Banjul (29.9.2013)

Der Flug mit Brussels Air war eine angenehme Überraschung. Beinfreiheit, gutes Essen. 3000 Meilen, 6 Stunden Flug. Die Piloten landen den Airbus 330 auf einer Piste, die kaum breiter als eine deutsche Landstraße ist. Tür auf, aussteigen direkt auf das Rollfeld. Ich hab das Gefühl, dass die feuchte Luft an den von der Aircondition noch klammen Fingern kondensiert. Es sind 30 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit.
Der Flughafen erinnert an Varna 1985. Das Entladen der Koffer zieht sich 90 Minuten in die Länge. Es ist unglaublich laut, heiß und ineffizient. Jeder versucht unsere Koffer wenigstens ein paar Meter zu schleppen, um dann einen Euro pro Gepäckstück zu verlangen. So viele Flieger kommen dann hier doch nicht an.
Die Koffer sind auf dem Dach(!) verstaut und festgebunden, eine halbe Stunde Fahrt duch die Suburbs von Banjul, dann sind wir im Sunswing Beach Hotel. Auch der Check-in dauert für uns paar Leute ein Stunde.
Zu den Besonderheiten in afrikanischen Hotels werde ich später nochmal was schreiben. Der Abend endet recht versöhnlich mit einem guten Fischgericht und einigen einheimischen (JulBrew) Bieren.
Morgen früh um sieben zur Bank nach Banjul und Geld holen.

Paris im Rückspiegel

Paris (III)

Um 10:00 Uhr Hôtel de Ville (Danke, UTF-8 !) die Schlange ist noch recht kurz. Ich bin neben einem sehr frühen Schwulenpärchen der einzige Mann in der Schlange. Haute Couture showcased at the Hôtel de Ville. Mit dem zweiten Schub stehen wir vor dem Security Check. Drinnen eine Austellung über Glanz und Glemmer, beginnend bei den Manufakturen im späten 19.Jahrhundert bis zur heutigen Multi-Milliarden Dollar Industrie. Namen wie Chanel, Nina Ricci, Schiaparelli, Balenciaga, Christian Dior,  Givenchy,  Cardin,  Yves Saint Laurent,  Jean Paul Gaultier sind mit ihrer Vita und ihren Stoff gewordenen Träumen zu sehen. Auf den Bildschirmen Claudia Schiffer, Kate Moss & Co. Die hochgezüchteten Rennpferde der Konsumgesellschaft, nutzlos, aber verdammt gut anzusehen.

Paris (IV) – Kapitalismus ist wie ein toter Fisch im Mondschein..

Nach einem ausgiebigen Fußmarsch landen wir am Place Vendôme. Dort bekommt des Wort (Groß)Bourgeoisie ein ganz reales Gesicht. Cartier, Chaumet, Van Cleef & Arpels, Bulgari. Ein paar Schritte weiter Galeries Lafayette am Boulevard Haussmann. Nicht ein einzelner Laden, wie in Berlin. In drei riesigen Häusern überquellender Wohlstand. Die Dachterasse im siebten Stock bietet einen kostenfreien, phantastischen Blick über die Stadt.
Am Abend ist überall in der Stadt die „Fête de la Musique“. Nach dem Essen (Au Rocher de Cancale, sehr empfehlenswert) gibt es auf der Rue Montorgueil noch eine Stunde Techno zum Tanzen.

Monet Industries

Am Samstagmorgen stopfe ich 91(!) Euro in den Kassenautomaten des Parkhauses. Dann verlassen wir die Stadt über den Champs-Élysées in Richtung Normandie.
Eine innere Unruhe hat uns bereits um 7:00 Uhr im Auto unterwegs sein lassen. Nach ca. 100 km auf der Autobahn ein kleines Früstück auf dem Wochenmarkt in Vernon. Unser Ziel lässt uns erst ab 9:30 Uhr zu sich.
Claude Monet starb am 5. Dezember 1926 in Giverny, einem kleinen Straßendorf (500 Einwohner) an der Seine. Er besaß dort ein Haus mit einem großen Garten. Dazu gehört jener aus seinen Bilder weltberühmte Teich mit den Seerosen. Der Reiseführer rät: „Kommen Sie früh!“. Wir stehen also pünktlich zur Öffnung an der Kasse und haben dann ca. 20 Minuten, bis sich ein riesiger touristischer Mob über Haus und Grundstück hermacht. Der Weg durch den Garten und über die Brücke am Teich gelingt nur noch im Gänsemarsch in Gruppen von amerikanischen und japanischen Touristen. Japaner sind übrigens leicht an ihrem grauenhaften Bekleidungsstil zu identifizieren.
Nach einer knappen Stunde ist der „romantische Kunstgenuss“ dann zum Glück auch erledigt.

Manoir de Savigny Valognes

Nach einem kurzen Stop in Rouen (Kathedrale, Essen „Brasserie Paul“) findet die nächste Reizüberflutung beim Einkauf in einem der riesigen Carrefour-Supermärkte statt. Die Abteilungen Wein, Käse, Fisch und Schinken überfordern den Einheitsessen-Deutschen komplett. In diesen Einkaufstempeln wird einem immer die kulinarische Wüste bewußt, in der wir in Deutschland vegetieren. Dank Navi finden wir unser Domizil in der Bocage. Normannische Häuser in einem riesigen Park. Neben den Hecken überall auch Palmen.
Auf dem Parkplatz steht ein englisches Ehepaar (beide bereits über 70) mit zwei Sportwagen der Marke Singer. Sie waren bereits seit einigen Tagen unterwegs. Es ist recht kalt und es regnet alle Stunde mal ordentlich. Da ist das Fahren in diesen offenen Kisten ein richtig harter Sport. Nach ein bischen Small Talk sind wir nun endlich angekommen.

Bonjour, Paris

Reims

Wer auf der A4 nach Paris fährt, sollte sich unbedingt die Zeit nehmen und einen Abstecher nach Reims zu machen. Die Stadt ist bekannt für den Champagner (G. H. Mumm, Louis Rœderer), Krönungsort der französischen Könige („Le Roi“) und Ort der Kapitulation der deutschen Wehrmacht („Jodl“) am 7. Mai 1945.
Ein Besuch der Kathedrale Notre-Dame ist ein absolutes Muß und eine gute Einstimmung auf die bevorstehende architektonische Reizüberflutung von Paris.

Paris (I)

Dank der kürzlich im Auto entdeckten USB-Schnittstelle und Navigon sind wir, abgesehen vom üblichen Stau auf der Périphérique, gut in Paris gelandet.
Unser Appartement befindet sich im Schatten des Centre Pompidou („La Raffinerie“, Labor Drax in „Moonraker“), einer 160 Meter langen und 40 Meter hohen Monstrosität. Der Besitzer Pascal hat in den 30 qm (riesig für Pariser Verhältnisse) alle Gadgeds der Kunst und Technik verbaut, die möglich sind. Wir sind zu Fuß in 15 Minuten am Louvre, also Mitten in der Stadt.

Paris (II)

Die erwähnte architektonische Reizüberflutung setzt sofort ein, wenn man in Paris aus dem Haus tritt. Die Stadt hat das große Glück von den kriegerischen Katastrophen des letzten Jahrhunderts verschont zu sein. Ich sitze auf einem Stuhl (hinten kurze Beine zum Sonnenbaden) im Jardin des Tuileries («insurrection du 10 août») mit Blick auf den Louvre und das Musee d’Orsay,
Wahnsinn.
So etwas gibt es nirgends sonst auf der Welt. Der Wahnsinn ist leider auch begehrt und irrsinnig teuer. Der Blick in die Schaufenster der Immobilienmakler (53 qm 2200 Euro kalt und städtischer Randlage) zeigt die Ursache der astronomischen Preise in Paris. Essen und Trinken erzeugen einen unheimlichen Sog im Geldbeutel.

Abercrombie & Fitch

Auf dem Champs Élysées kurz vor der U-Bahnstation Franklin Delano Roosevelt befindet sich ein vergoldetes Tor als Zugang zu einer Villa. Auf jeder Seite ein Wachmann (jung, sehr muskulös im Freizeitdress). Die Tatsache, dass jede Menge junger Menschen durch das Tor strömten, erweckte meine Neugier und wir folgten. Die Villa stellte sich als Departmentstore der Klamottenschneider von Abercrombie & Fitch heraus.
In einem riesigen, mehrstöckigen, barock gestalteten Innenraum wird mit jungen Männern (freier Oberkörper, sehr homoerotisch) und Parfum in der Luft eine Messe des Kapitalismus in Reinkultur zelebriert. Hier wird mit einer irren Menge Geld professionell das Image eine Marke etabliert. An diesen Altären sind die großen Verführer („Vance Packard“) dabei neue Religionen zu erfinden.

Das eigentliche Produkt (Claudia: „Hühnermode“) der Marke ist außerhalb dieser Umgebung jedoch recht trivial.