Author Archives: sillner

Whale Watching in Abel Tasman

Wir sind jetzt seit Dienstag Abend in Nelson und heute starten wir einen Besuch im Abel Tasman Nationalpark. Die Anreise gestaltet sich bis nach Motueka recht entspannt. Ab dort der komplette Wahnsinn. Es ist so ein bisschen wie auf dem Darß oder auf Rügen zur Hochsaison. Der Unterschied ist lediglich, dass jeder zweite Kiwi an seinem Auto noch eine 7 Meter lange Yacht angehängt hat. Häfen für Sportboote sind hier nicht so üblich, vielleicht auch durch die mitunter komplizierten Wetterbedingungen. Also gibt es an jedem See/Meer Zugang eine Rampe, wo man mit dicken SUV oder gemietetem Traktor sein Boot ins Wasser bringt und am Abend wieder heraus holt. Segeln ist (aus wahrscheinlich diesem Grund, Auf- und Abtakeln) kein sehr verbreitetes Hobby. Mal ein Bareboat für einen Tag zu chartern ist auf der Südinsel nicht wirklich möglich.
Irgend wann ist es uns dann gelungen, hinter Marahau den Eingang zum Nationalpark zu erreichen. Dort kann man auf einem Coastal Walkway durch den Urwald diverse Buchten besuchen. Hört sich erst mal wild romantisch an. Die ganze Angelegenheit findet jedoch im „Gänsemarsch“ statt.
Glücklicherweise hat der Weg eine Menge Kurven. Von Zeit zu Zeit denkt man, man ist allein. Das unglaublich laute Zirpen von riesigen Grillen schafft eine tolle Geräuschkulisse. Die Suche nach Bildern zu Abel Tasman bringt vermutlich mehrere tausend Treffer. Unsere Bilder sind heute nicht dabei, ich habe die SD-Karte der Kamera im Laptop gelassen.

Ich hab natürlich doch ein Bild mit dem Handy gemacht..

Ich hab natürlich doch ein Bild mit dem Handy gemacht..

Den Walkway kann man dann alle halbe Stunde in Richtung Bucht verlassen und an einem „einsamen“ Strand (der ganz tollen goldgelben Sand hat) baden gehen oder was auch immer tun. Wer nicht Laufen möchte, kann sich auch mit dem Wassertaxi dahin bringen lassen. Die Buchten sind wunderschön anzusehen. Wer schon mal in den Kornaten war, so in etwa.

Ach ja, ich hätte es beinahe vergessen – Whale Watching. Auf halbem Weg befindet sich ein Wiese mit einer Picnic-Area. Dort kann man wunderbar sitzen und schauen wie schwitzende, sonnenbrandrote, dabei chipsessende, australische Touristen (mehr zu schreiben hat Claudia verboten) in Flip-Flops den Berg herauf geschnauft kommen.
Den echten Walen ist das auf dem Wasser vermutlich zu laut.

Auf der Rückfahrt kommt man an riesigen Obstplantagen vorbei, die Gegend sieht ein wenig nach Südtirol (Meran) aus. Dort haben wir ein Kilo frisch gepflückte Boysenberry gekauft. Brand new taste, yummi!

The Butcher

Das Apartement in Martinborough (Cologne Street, Ecke Broadway) verfügt über einen riesigen Gasgrill. Für ein BBQ brauchen wir Steaks und die kaufen wir nicht im Supermarkt, es gibt einen Butcher im Ort. Ein großer Mann, mit riesigen Händen und den Resten von toten Tieren an seiner Schürze. Eine ordentliche Auswahl liegt im Schaufenster, u. a. gut marinierte Steaks zu (relativ) kleinen Preisen. Keine Kreditkarten, Cash only. Das Essen war wunderbar. Ein gut gekühlter Rosé aus der Gegend beschließen einen schönen Sommertag. Vielleicht war es zum Essen bereits ein wenig zu spät oder es war des Guten ein wenig zu viel. Nachts gegen 2:00 Uhr liege ich wach und habe mir ein paar Gedanken über das „Boom Under“ hier gemacht.

NZ ist nicht gerade ein Billigland. Man bekommt für sein Geld gute und hochwertige Lebensmittel. Bei einem Bier (was bisher keinen Anlass zur Klage gab) muss man im Pub für das Pint (ca. 0,4 Liter) zwischen 9 und 12 NZ$ auf den Tresen legen. Das sind so 6-8 Euro. Die Leute verdienen hier sehr gut (die Realeinkommen haben sich seit 2004 um 160% nach oben entwickelt, Mindestlohn 14,25 NZ$), tragen keine Designermode und große Autos sind hier die Ausnahme.
The Question: Where is the Money?
Home Loans (Hauskredite), dafür spricht Einiges.
Für ein Haus (das entspricht oftmals mehr dem eines Ferienbungalows) in Wellington (oder den Urbs) legt man locker mal 300-400.000 NZ$ auf den Tisch.

Home Loans zu "Dumping Preisen"

Home Loans zu „Dumping Preisen“

Die Finanzierung gibt es zur Zeit (auf dem absoluten Zinstief) mit 6 – 7% bei einer Bindung von zwei Jahren. Das ist unglaublich(!) preiswert, hier wurden auch schon mit 15% Häuser finanziert.
Analysten sagen jedoch, dass die Immobilien hier mit 20-30% (in Auckland mit bis zu 80%) überbewertet sind. Es gibt hier so viele Immobilenmakler wie Fliegen auf einem Kuhfladen.
Das erinnert an Fannie Mae und Freddie Mac in ihren besten Zeiten.

Der NZ$ ist ebenfalls mit 20-30% überbewertet. Das meiste Geld in NZ verdienen nicht die Kühe, sondern (wen überascht das) die Banken. Die großen Banken gehören mehrheitlich den Australiern. Bei dem Konstrukt ist es IMHO nur eine Frage der Zeit, bis die Banker anfangen gegen ihre eigenen Kunden zu wetten (CDS sei dank).

In Nelson bei unabhängigen Kreditvermittlern gefunden.

In Nelson bei unabhängigen Kreditvermittlern gefunden.

Das Zukunftsmodell ist Kuhprodukt (Dairy) für den asiatischen Mittelstand (obwohl die Preise für Milchprodukte seit 2010 um ca. 40% verfallen sind). Wer keine Kuh/Schaf auf die Wiese stellt, ist am Bau oder beim Staat beschäftigt. Die Staatschulden werden in Kürze die 100 Mrd. NZ$ erreichen. Das Christchurch Erdbeben von 2011 trägt daran eine reichliche Mitschuld.
Und das bei 4,5 Mio. Einwohnern!
Das Thema hochqualifizierte Fachkräfte (IT, infrastrukturelle Entwicklung usw.) ist ein weiterer wunder Punkt in der Geschichte. Die Industrie und der Dienstleistungssektor mit effektiver Wertschöpfung sind in Auckland angesiedelt.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Taxifahrer 2008 in Dublin. Der erzählte stolz vom irischen Wirtschaftswunder (Bau, Banken, billige Steuern) und das er jeden Monat 4000 Euro netto nach Hause trägt. Leider waren wenige Wochen darauf die Veterinärmediziner von der EZB vor Ort und haben dem irischen Bullen (ohne Narkose) die Eier abgeschnitten. Hier wären es dann Männer, die mit Stäbchen essen oder die Verwandten von Mel Gibson.
Analysten irren sich aber auch in 90% ihrer Aussagen. Ich hoffe den Kiwis bleibt das erspart!

Travels (I)

NZ besteht im wesentlichen aus zwei Inseln. Am Dienstag Morgen haben wir uns auf den Weg nach Wellington gemacht, um auf die Südinsel überzusetzen. Wir sind sehr früh aufgebrochen, es sind 340 km nach Wellington zu fahren. Hier gibt es keine Autobahnen und es geht gemächlich mit 100 km/h vor sich. Die ersten 100 km führen direkt durch das Auenland (hier wurden große Teile des Films „Herr der Ringe“ gedreht). Die Hobbits schlafen aber leider noch, deshalb fällt unser Frühstück im „Brown Sugar Cafe“ (trotzdem vielen Dank für den Tip an Familie Pohl/Gjelsten) leider flach. Erst in Hunterville gibt es Eier und Toast. Wellington begrüßt uns gegen Mittag mit dem üblichen dicke Wolken – Wind – Wetter.
Das Mitnehmen eines Mietwagens auf die andere Insel ist unter der Androhung von diversen Strafen streng verboten. Man ruft 48 Stunden vor dem Ablegen der Fähre die Autovermietung an und bekommt eine Reservierungsnummer. Ich war reichlich gespannt, wie das abläuft. Wer schaut sich das Auto bei der Rücknahme an? Wie lange dauert die Procedure?
Also Auto in Petone (wir kennen uns da ja gut aus, lösen auch bei Mobil immer die Gutscheine von New World ein) vollgetankt, bei Comrades noch die unterschlagene Reisetasche von Lance Corporal R.D. Molineux gekauft

Jeder der so ein großes altes Mannschaftszelt kennt, weiß wie diese Tasche riecht. Einfach Klasse und nur 49 NZ$.

Jeder, der so ein großes altes Mannschaftszelt kennt, weiß wie diese Tasche riecht. Einfach Klasse und nur 49 NZ$.

(unser Hausstand hat sich etwas vermehrt und wir müssen unser Gepäck einchecken), dann zur Picton Ferry. Auto auf dem Parkplatz von Budget abgestellt, da ist kein Mensch. Dann erfahren wir, dass es im Terminal ein Drop-Box für die Schlüssel gibt. Das ist uns nicht so ganz richtig „deutsch“, aber was soll’s, rein damit.

Set Sail in Wellington

Set Sail in Wellington

Um 2.45 legt die Fähre („set Sail“ – toller Ausdruck im 21. Jahrhundert) ab. Eine wunderbare 3,5 Stunden Fahrt über die Cook Strait vergeht wie im Fluge (ruhige See, niemand wird seekrank).

Einfahrt in den Fjord Richtung Picton

Einfahrt in den Fjord Richtung Picton

Es bleibt die Frage, haben wir in Picton ein Auto? Bei Budget habe ich nach 90 Sekunden den Schlüssel für einen blitzblanken, voll getankten weißen Corolla.
Nach weiteren 140 km Fahrt und einem „yummi“ Thai Essen fielen wir totmüde in unser Motel-Bett.

A rising Moon over Mt. Ngauruhoe

Nach unserm Essen sitzen wir mit einem Glas Wein in der Lobby vor einem großen Panoramafenster und schauen auf den perfekt symmetrischen Kegel des Vulkans Mt. Ngauruhoe.
Der Berg liegt vor einer baumlosen Hochebene, es sieht ein wenig nach „Jenseits von Afrika“ aus.

Der Berg am folgenden Abend..

Der Berg am folgenden Abend..

Die untergehende Sonne lässt eine rosa gefärbte Wolke am Vulkankegel vorüber ziehen.
Ein wunderschöner Vollmond geht über dem Berg auf. Der Barpianist hinter uns spielt und singt die Zeilen:

On a dark desert Highway,
cool Wind in my Hair,
warm smell of Colitas,
rising up through the air..

Das ist so irrsinnig kitschig, dass man denkt, so etwas gibt es gar nicht. Der Laden hier ist das „Chateau Tongariro Hotel“ und hat die besten Jahre schon hinter sich. Das Hotel liegt einsam am Ende der Straße zum Mt. Ruapehu.

Das Hotel am Ende der Straße, dann kommt Mordor

Das Hotel am Ende der Straße, dann kommt Mordor

Von außen sieht es aus wie das „Grand Budapest Hotel“. Innen die gleichen Gestalten, nur die Eleganz fehlt den Gästen. Zum Fine Dinner („No Shorts, No T-Shirts“), werden zu den langen Hosen Trekkingsandalen und Joggingschuhe getragen. Der Blick auf das Programm des hauseigenen Kinos zeigt uns, dass gerade in diesem Moment „Grand Budapest Hotel“ gezeigt (was für ein Zufall!) wird.

Es gibt den sinnvollen Satz: „Die Hölle ist der Ort, an dem die Engländer kochen.. (Robert Lembke)„. Um diesem Ort zu entgehen, ist der Nachbar von der Insel seit Jahrhunderten reichlich in der Welt herum gekommen. Was ihm in der Fremde aber augenscheinlich fehlt, ist das English Breakfirst. Das ist mit dem McDonnalds-Syndrom der amerikanischen Soldaten vergleichbar. Wir haben schon an diversen Orten der Welt grauenhaftes English Breakfirst gehabt, das Hotel spielt aber in der Hitliste ganz weit oben mit. Morgen früh werden wir auf der Fahrt zur Picton Ferry unterwegs etwas frühstücken.

Art Deco in Napier

Auf unserem Weg zum Lake Taupo haben wir am 2.1. Napier einen Besuch abgestattet. Die Stadt wurde am 3. Februar 1931 durch ein gewaltiges Erdbeben (7,8) und die anschließenden Feuer komplett zerstört. Die (Innen)Stadt wurde anschließend im Art Deco Stil geplant und wieder aufgebaut. Die wunderbaren Pastellfarben entstanden aus der Not heraus. Farben waren teuer, wurden also verdünnt. Die Stadt war (bedingt durch den Feiertag) noch ein bisschen ausgestorben, wir konnten (bei wunderbarem Sommerwetter) alles zu Fuß erkunden. Tolle Häuser, aber leider auch nicht Erdbeben sicher.

A Happy New Year

Am Neujahrstag haben wir uns nach dem Frühstück auf den Weg nach Lake Ferry gemacht. Das ist eine Ansammlung von ein paar Häusern (Lake Ferry Settlement) und einem Hotel am Ende (hier sind die meisten Straßen irgendwo zu Ende, „No Exit“). Um ein paar Ecken befindet sich das kürzlich besuchte Cape Palliser. In den Reiseführern wird gern erzählt, dass die Kiwis alles große Sportfanatiker sind. Nach ein paar empirischen Untersuchungen in Damenmodengeschäften sind jedoch auch hier die „großen“ Größen deutlich in der Überzahl. Das mit dem Sport ist (wie überall in der westlichen Welt) so eine WASP ( & D.I.N.K.S.) Kiste.

Was hier aber augenscheinlich echter Volkssport ist, eine Angelrute in das Wasser zu halten.

Kiwis beim Angeln

Kiwis beim Angeln

In Lake Ferry gibt es eine große aus anthrazitfarbenen Schotter bestehende Düne (irgendwie auch einmalig in der Welt, auf der dutzende Kiwis Angeln. Hier werden 60 cm große Fische zu Ködern zerschnitten, wie groß soll da der eigentliche Fang sein?

Köderfisch, schon ein bischen abgenagt

Köderfisch, schon ein bischen abgenagt

Um die Düne zu befahren, haben die Natives aus Lake Ferry pro Person ein Quad (mit Hund). Damit schaukeln die hier den ganzen Tag in der Weltgeschichte herum.

In Lake Ferry hat augenscheinlich jeder ein Quad (plus Hund)

In Lake Ferry hat augenscheinlich jeder ein Quad (plus Hund)

Nach dem ersten wirklich ungültigen Kaffee in NZ

Der erste, nicht brauchbare "Short Black"

Der Erste, nicht brauchbare „Short Black“

(im Lake Ferry Hotel) saßen wir noch zwei Stunden am Strand herum, lasen (Bill Bryson „Amerika 1927“, absoluter Hammer!) und sahen den Kite Surfern zu.

New Years Eve

Wir sind jetzt seit Sonntag Nachmittag in Martinborough. Das ist das Zentrum des Weinanbaus nordöstlich von Wellington.

Campingplatz (sehr verlassen) am Lake Wairarapa auf dem Weg nach Martinborough

Campingplatz (sehr verlassen) am Lake Wairarapa auf dem Weg nach Martinborough

Das Umland ist sehr ländlich geprägt und zum Jahreswechsel sind eine ganze Menge Touristen hier. Die kann man gut an den sauberen Autos erkennen. Der Einheimische fährt große, sehr schmutzige Autos. Der Grund dafür sind geschotterte Straßen (Gravel Road). Der Schotter besteht hier (erdgeschichtlich bedingt) aus einer Kalkstein Mischung. Nach unserem Ausflug nach Pahaoa (40 km Gravel Road)

Treibholz in Pahoa

Treibholz in Pahoa

sah auch unser kleiner Toyota recht einheimisch aus.

Bouldern in Pahoa

Bouldern in Pahoa

Es ist hier recht nett zur „Cruising Houre“ auf der Terrasse des „The Martinborough Hotel“ zu sitzen und den lokalen und auswärtigen („Big Shot from the City“) Cruisern bei ihren Platzrunden zu zusehen.

Das Hotel stammt aus der "guten alten Zeit"

Das Hotel stammt aus der „guten alten Zeit“

Nach zwei Wine Tastings (Danke, Hanjo) und einem hervorragenden Snack sind wir am Silvesterabend gegen 21:30 in oben genanntes Hotel zur Party gegangen.

Claudia im Weingut Ata Rangi

Claudia im Weingut Ata Rangi

Dort gab es eine lokale Band (2 Gitarren, Baß, Schlagzeug) und jede Menge sehr lustiges und gemischtes Publikum. Frauen in Cocktail-Kleidern im Sixtees Style (inklusive 4 Reihen Perlenketten) bis zu einem verirrten Hobbit mit Rauschebart und Gummistiefeln. Die Band brachte mit Klassikern (CCR, Eric Clapton, Lynyrd Skynyrd) die Bude zum Kochen (der Saal hatte gerade so 150qm). Der Sänger brachte die Klassiker mit ein paar „gerappten“ Zeilen absolut in Schwung. Das  Beste, jeder kennt die Texte und singt lauthals mit. Es wurde gesungen und getanzt was das Zeug hält. Dabei ist uns eine NZ (Re)Inkarnation unseres Kumpels „Harry“ über den Weg „gehüpft“ (auf der Tanzfläche mit Luftgitarre).
Irgend wann zählte einer von der Band den Countdown runter, dann war Neujahr. Das es erst 3 Minuten vor Mitternacht war, hat da auch keinen weiter gestört. Die Hymne wurde angestimmt („God save the Queen“, die haben hier zwei zur Auswahl) und inbrünstig gesungen.
Hier in NZ wird sehr schnell gesprochen. Die meisten Leute sprechen aber ein recht gut verständliches English. Auf dem Land lassen die beim Sprechen aber auch gern den Mund zu. Wenn die Jungs dann noch mit 2,2 Promille ein Gespräch anfangen, wird das (für uns) aber sehr unscharf. Wir sind dann gegen 00:30 Uhr fröhlich heim gelaufen.
Ach ja, es gab den ganzen Abend keinen einzigen Titel von Helene Fischer, Cheers!

Wellington im Rückspiegel

Es ist Sonntag Wir haben gerade die Stadt verlassen und fahren auf dem State Highway 2 Richtung Norden. Am Samstag morgen kehrten unsere Gastgeber Helene, Rolf und Peter von ihrer Weltreise zurück. Wir verbrachten (leider viel zu kurze) Stunden mit sehr inspirierenden Gesprächen, Kartentricks (Peter, das wird ein großes Ding!) und Klaviermusik (also Peter!).

Rolf, Peter, Helene & Claudia beim Goodbye

Rolf, Peter, Helene & Claudia beim Goodbye

Die Zeit in Wellington haben wir unglaublich genossen. Das Privileg in einem „Kiwi-Haushalt“ zu wohnen, hat uns die Möglichkeit gegeben so triviale Dinge wie Supermarkt, Bäcker, Cafe usw. aus einer „bodennäheren“ Perspektive zu sehen. Dafür noch einmal vielen Dank!

Wellington ist eine kleine und entspannte Stadt. Die Menschen sind durchweg freundlich zu uns gewesen. Wir hatten eine Menge lustiger Begegnungen und Gespräche. Der Alltag bewegt sich hier augenscheinlich nicht so stressig wie im Rest der Welt. Wir werden wieder kommen.

ANZAC

Das Australian and New Zealand Army Corps (kurz ANZAC) ist eine recht präsente Größe im Leben der Kiwis. Neben einem Feiertag (ANZAC Day, 25.April) gibt es in jedem (älteren) Ort ein Denkmal für die Gefallenen der beiden großen Kriege. Der Begriff „Gallipoli“ (Im Te Papa: Gallipoli-The scale of our war, Openening Day 2015) ist hier ein Synonym für den großen Krieg. Zum ANZAC Day 2015 jährt sich der Versuch der ANZAC in der Türkei zu landen zum 100. Mal.
In einer dilettantisch geplanten (die Landung findet mit Karten aus einem Badaecker aus dem Jahr 1912, in denen ein paar entscheidende Bergketten völlig fehlen, statt) verlieren nach Kämpfen in mörderischer Hitze 16 000 Kiwis das Leben. Die Verantwortlichen (Winston Churchill und Lord Kitchener) für das Desaster sind hier (rätselhafter Weise) immer noch Helden, nach denen Straßen benannt werden. Der Mann auf der Gegenseite, Mustafa Kemal Pascha (aka Mustafa Kemal Atatürk) wurde zum Shooting Star und gründete später die Türkei.
Durch Zufall entdeckten wir in Wellington das 1999 eingeweihte Atatürk(Ataturk)-Memorial. Dort lasen wir die sehr beeindruckenden Sätze von Atatürk zur Versöhnung mit seinen früheren Gegnern. Einen Besuchen wert und sehr beeindruckend.
attaturk-nz-memorial

Te Papa Tongarewa

Am Sonntag haben wir uns noch das Te Papa Tongarewa angesehen. Das ist das NZ National Museum. Ein architektonisch sehr gelungenes Innenleben (von Außen: „unspektakulär“) und ein tolles (kostenfreies) Museum. Den Vormittag nutzten, bei „bestem“ Wellington Wetter (Wind, Wolken, ab und zu ein paar Tropfen), jede Menge Familien zum Besuch. Neben sehr interessanten Bereichen zu Natur und Landschaft auch eine gut gestaltete Abteilung Kunst, alles sehr neu und jung.
Ein bisschen Kalifornien mit einer großen Portion England drin.
Die Geschichte des Landes (irgendwie ist der Teil von Gondwana nach dem Auseinanderbrechen menschenleer geblieben) ist recht zügig erzählt. So um 1300 kamen die Polynesier, 350 Jahre später auf der „Endeavour“ mit James Cook (ja, der mit dem Reisebüro.). Das war’s auch schon.
Keine Römer, keine Wasserspülung!

Den hat Peter Jackson in die NZ History mit eingebracht. Der läuft vermutlich auf South Island irgend wo herum.

Den hat Peter Jackson in die NZ History mit eingebracht. Der läuft vermutlich auf South Island irgend wo herum.

Nach den üblichen Problem (Waffen, Infektionen und Landstreitigkeiten) einigte man sich Ende des 19.Jahrhunderts (!) mit den Maori über Politik, Wahlrecht und Besitz. Mit dem metrischen System und dem Verhältniswahlrecht war dann auch eine deutliche Abgrenzung zum Mutterland erreicht. Der Linksverkehr und die Queen wurden (aus welchen Gründen auch immer) behalten. Ausdruck des politischen Pluralismus sind für mich die Amtssprachen: English (98%, logisch), Maori (4%, beachtlich) und die neuseeländische Gebärdensprache (unter 1%, der Knaller).
Die Geschichte mit der Sprache wird auch konsequent bis auf die letzte Kneipentoilette exekutiert.
In diesem Zusammenhang schöne Grüße an unsere nationalen Retter (PEGIDA, Baltikum, Balkan, Ukraine) in Europa.