Nach 6 Stunden Flugzeit landen wir mitten auf einer riesigen Baustelle. Auf einer Fläche die 5 mal so groß wie der BER ist, drehen sich 24 Stunden am Tag die Kräne. Das alles bei laufendem Flugbetrieb. Vermutlich werden die das Ding sogar fertig bauen. Der Tower hat die Form eines arabischen Krummsäbels und droht damit säumigen Bauleitern, Architekten oder Brandschutzplanern.
Dort gelandet wurden wir sehr freundlich (Claudia noch etwas freundlicher) von Herren in weißen Gewändern mit Kufiya (sieht ein bisschen wie ein Geschirrtuch aus) an der Passkontrolle begrüßt.
Im Hotel nach 22:00 Uhr noch hervorragende Küche. Das arbeitende Personal rekrutiert sich aus der gesamten asiatischen Welt. Die einheimische Bevölkerung (Männer, Frauen sind stark verhüllt) hat auf diesem winzigen Spot alle Klischees erfüllt. Vergoldeter Porsche in der Eingangshalle des Terminals, dicke Uhren und Autos mit dicken Motoren.
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Fliegen in der Economy Class
In ihrem früheren Leben war Silvia Sommerlath Stewardes. In Ausübung dieser Tätigkeit hat sie einen Herren Namens Gustav kennen gelernt und später geheiratet. Beide sind jetzt das schwedische Königspaar.
Heute ist die Berufsbezeichnung FlugbegleiterIn. In der Economy Class kann man im Hermelinmantel mit einer Krone auf dem Kopf sitzen und wird vermutlich nicht einmal dann von den überarbeiteten Damen wahr genommen. Kurz und Gut, Fliegen ist alles andere als glamourös.
Mit dem wachsenden Preisdruck wird diese Art der Fortbewegung immer schlimmer. Um den Transport von Schlachtvieh kümmern sich weltweit operierende Organisationen, irgend wann wird es so etwas hoffentlich auch für Flugpassagiere geben. Nach 3 Airlines, 24 Stunden Flugzeit (netto) und 12 Stunden Zeitverschiebung waren wir dann sehr froh, dieser Maschinerie endlich entronnen zu sein.
Afrika im Rückspiegel
Es ist Samstag morgen 01:30 Uhr. Wir sitzen in einem kleinen Stück Europa 10 000 Meter über dem afrikanischen Kontinent. Die letzten drei Tage sind für uns als normale Touristen vergangen, Strand, Essen, Trinken. Am Donnerstag unser Farewell Dinner. Joof, Dawda, Ebrima, Musa, Yaya, Marianne und Gerd, alle waren da. Die Mission ist erfüllt, es ist ein schöner Abend. Wehmut, Abschied.
Was bleibt? Eine unglaublich intensive Erfahrung. Noch nie bin ich so dicht mit Menschen einer völlig anderen Kultur in Berührung gekommen. Wenn man Banjul verlässt und auf die Northbank übersetzt ist man in Afrika. Die Welt dort ist von unserer Welt so weit entfernt wie der Mond.
Das Leben der Leute dort
ist nicht einfach, immer von der Erhaltung der Existenz geprägt. In den Dörfern auf der Northbank gibt es wenig Strom, kaum gute Straßen. Durch die Probleme mit den Fähren ist das Land zweigeteilt.
Trotz dieser Umstände ist man vom ersten Augenblick an von der Fröhlichkeit der Menschen eingenommen. Wenn sich zwei Leute treffen, gibt es immer was zu lachen. Kleine Scherze und Blödeleien (Männer wie Frauen) sind wohltuende Alltagsbestandteile. Hier ist niemand fremd oder scheu. Ich habe selten in meinem Leben in so kurzer Zeit so viele Hände geschüttelt.
Die Leute lassen alles stehen und liegen, wenn man als Weißer sich dorthin verirrt. Zeit ist augenscheinlich ohne Begrenzung vorhanden.
Was sind die Perspektiven? Es ist nicht einfach. Ein Grad der Alphabetisierung von 70% der heranwachsenden Generation vielleicht ein Anfang.
Ebrima hat in den kommenden Wochen seine Abiturprüfungen, viel Erfolg dabei! Kinder, die zur Schule gehen, sind später in der Lage Entscheidungen in ihrem Leben auf der Basis von Bildung und Tradition zu treffen.
Stromausfälle, Verkehrschaos, Müll auf den Straßen, Korruption. Bildung kann das möglicherweise überwinden.
Afrika wird nie so sein wie Europa. Vielleicht ist das auch gar nicht so verkehrt!
Fussball
Am frühen Nachmittag ist der Verein noch Ausrichter des „Pro Kids Gambia Cup“. Die Mannschaft der St.Michels School aus Njongong gegen ein anderes einheimisches Team. Aus Deutschland wurden Tore und Netze, Trikots und Fußbälle gestiftet. Auf Grund der Bedingungen (das Spiel findet auf einem sandigen Acker in der Mittagshitze statt) werden nur 2 mal 15 Minuten gespielt. Die komplette Schule ist am Spielfeldrand versammelt und als in der zweiten Halbzeit die Heimmannschaft in Führung geht, kennt die Begeisterung keine Grenzen.
An kleinen Unzulänglichkeiten (über das Spielfeld laufende Ziegen) stößt sich hier keiner. Die Jungs spielen zum Teil in Badelatschen und ähnlichem exotischen Schuhwerk, aber mit vollem Einsatz. Als einer umkippt (Hitze) bekommt er einen Eimer Wasser über den Kopf gegossen, weiter geht’s!
Zum Schluss, Siegerehrung. Alle bekommen eine Medallie, jedes der Teams einen neuen Fußball. Der Pokal wird verliehen. Wir können uns kaum noch der begeisterten Menge erwehren. Alle haben hier heute eine Menge Spass.
Vincent Mendy(II)
Ziel unseres Besuches in Amdalai war, die Bücher für die Bibliothek zu übergeben. Dannach wollen wir mit Vincent, dem Schulleiter (auch Vincent) und Ebrima als Dolmetscher noch einen kleinen Besuch dem Compound der Familie Mendy abstatten. Wie weit? Naja ein kleines Stück.
Unser kleiner Trupp zieht über Trampelpfade zwischen den Compounds in Richtung Norden. Dann sagt der Schulleiter, dass es besser wäre an der Hauptstraße entlangzugehen. Als wir vor dem senegalesischen Grenzposten stehen, dämmert mir auch warum.
Unser kleines gambianisches Patenkind ist in Wirkleichkeit ein senegalesisches Patenkind. Als die Frage „par le vous francais?“ mit „Oui“ beantwortes wird, ist mir auch der Grund der sprachlichen Schüchternheit der Mama Veronica klar. Sie spricht kein Englisch.
Wir haben haben zum Glück unsere Pässe dabei. Der Visastempel kostet eigentlich 50 Euro, der Schulleiter erklärt dem Beamten (verspiegelte Sonnenbrille, Hemd bis zum Bauchnabel aufgeknöpft), dass wir in einer haben Stunde wieder da sind. Damit geht die Einreise in den Senegal auch formlos.
Nach einem weiteren Kilometer stehen wir im Compound der Familie Mendy. Ein ordentliches kleines Haus, eine Küche in einem Extragebäude. Die Kinder schlafen zu zweit auf Matratzen mit Moskitonetzen darüber. Die Maman Veronica läuft sofort los und besorgt irgenwoher ein paar Flaschen kalte Getränke, der Papa ist auf dem Feld zum arbeiten.
Wir leeren unseren Rucksack (Spielzeug, Kekse, ein paar Anziehsachen), Veronica bekommt noch etwas Geld fürs Tabaski, dann müssen wir auch schon wieder los. Der kleine Vincent ist wieder dabei, der hat noch Schulstunden vor sich. Der Schulleiter erklärt uns auf dem Rückweg, dass eine ganze Reihe Kinder aus dem Senegal in seine Schule gehen. Dort wird Englisch gelehrt, das ist wichtig.
Unser Zeitplan ist schon ziemlich überstrapaziert, in Njongong wartet noch ein Fussballspiel auf uns. Wir verabschieden uns „au revoir et bonne chance“.
Buschtaxi
Auf Grund unseres ehrgeizigen (deutschen) Zeitplans haben wir uns entschlossen auf die Benutzung des Sammeltaxis (Tanka Tanka) zu verzichten und ein eigenes Gefährt für den Tag zu chartern. Zwei lustige junge Burschen kamen mit einem Etwas, was früher mal ein Mitsubishi-Kleinbus gewesen sein könnte. In Deutschland würde das Auto wahrscheinlich den Tatbestand der versuchten Körperverletzung erfüllen. In Afrika werden diese Unzulänglichkeiten durch lustige Blödeleien (die seitliche Schiebetür hakt aus, die hat man dann komplett in der Hand, der Motor wird durch Kurzschließen gestartet) einfach ignoriert.
Die Kiste fährt und wir sind in der Lage unsere Mission zu erfüllen. Der Assistend Driver (Samba Sowe) trägt von der ersten Minute an meinen Rucksack auf dem Rücken. Er erzählt uns, dass er bis zum 5. Schuljahr die Schule in Njongong besucht hat und seitdem arbeitet. Vor Kurzem hat er den Führerschein erworben und das nächste Ziel ist ein eigenes Gefährt.
Ein freundlicher, unaufdringlicher Junger Mann. Viel Glück dabei!
Northbank (II)
Am Dienstagmorgen noch einmal Aufbruch zur Northbank. Unsere Erfahren mit der Autofähren haben uns bewogen, die Pakete bereits eine Tag früher über den Fluß zu schicken. Wir sind an diesem Morgen (abgesehen von meinem großen Rucksack) mit kleinem Gepäck zu den Speedboats unterwegs. Unsere kleine Truppe (Ebrima, Volker, Heidi, Claudia & Me) werden auf dem Strand sofort erkannt und überschwänglich begrüßt. Jeder der muskulösen großen Jungs möchte die Boss-Ladys ins Boot tragen.
Ebrima organisiert ein Boot und die Träger. Beim Ablegen entdecken wir zahlreiche Angelposen im Wasser. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich diese als Hammelhoden und -penisse. Schöne Grüße vom Fleischmarkt, Tabaski steht vor der Tür. Auf der anderen Seite wieder das übliche Gezerre und Geschrei. Ich habe vorsichtshalber 25 Dalasi Scheine bei mir. „I carried you“, „I hold your Hand“, „I hold the Hand of the Boss-Lady“. Jeder bekommt einen Schein in die Hand gedrückt.
Schifffahrt (II)
Nachdem wir unsere letzte Auszahlung auf der Northbank in Ker Cherno beendet hatten, machten wir uns in froher Erwartung einer Dusche und eines kalten Bieres auf den Weg zur Fähre. Dank der Mithilfe von Joof und Dawda gelang es uns ohne größere Wartezeit in den Abfahrtbereich zu gelangen. Die Anzahl der Schiffe hatte sich in den vergangenen zwei Tagen wiederum halbiert. Nur noch ein Schiff, gerade in Richtung Banjul ausgelaufen. Na gut 3 Stunden warten, thats Africa. Nach 2 Stunden beginnen die ersten Fahrzeuge den Abfahrtbereich zu verlassen. Schnell macht das Gerücht die Runde, the ferry is broken. Das Schiff kommt noch nach Barra, fährt aber erst am nächsten Tag zurück auf die Southbank. Wir haben keine Lust bei über 30° eine weitere Nacht auf der Northbank zu verbringen. Wir werden die Small-, Speed-, Woodferrys benutzen.
Das sind schmale lange Holzboote (15 x 2 Meter)
mit einem eingebauten Diesel und enthusiastischen schwarzen Seeleuten (keiner kann hier schwimmen) an Bord. Die Boote haben einen Tiefgang von ca. 1 Meter und können (in Ermangelung eines Steges) nicht trockenen Fußes bestiegen werden. Wir haben außerdem eine Menge großer Koffer und Rucksäcke. Und wir haben Ebrima. Ein Lastenträger lädt unsere komplette Ausrüstung auf einen Handkarren und fährt uns an den Strand. Dort wird eine Crew zusammengestellt, die jeden Einzelnen und jedes Gepäckstück durch das 1,5 Meter tiefe Wasser an Bord trägt.
Die Jungs machen das professionell, mir hat einer erzählt, der trägt bis zu 80 Leute am Tag in und aus den Booten. Das alles läuft in einem unbeschreiblichen Chaos ab. Wir haben für unsere kleine Mannschaft eine extra Boot gechartert. Auf ein anderes Boot wird gerade ein Herde aus ca. 50 Ziegen geschleppt. Ablegen, nach ein paar Versuchen erwacht auch der Motor zum Leben. Die Überquerung dauert dann ca. eine halbe Stunde. Die Anlandung in Banjul erfolgt ebenfalls mit Trägern. Die Absprachen werden über den Fluss per Handy getroffen. Die Jungs bewachen unser Häuflein Leute auf dem Strand und beschützen uns vor zudringlichen Händlern und Taschendieben. Irgendwoher kommt dann noch ein Kleinbus, in den jemand eine zusätzliche (vierte) Sitzreihe gebaut hat. Das ist zwar eng, wir sind aber gegen 18:00 Uhr glücklich wieder im Hotel.
Buschcamp (II)
Bedingt durch die noch laufende Reparatur, sind wir nach unserem Job in der Schule in das Camp zu Fuß zurück gegangen (die ganz Fußlahmen hat Mr. Joof im Jeep gefahren). Eine wunderbare kleine Wanderung durch die grüne (bald ist hier Mangels Wasser alles braun) Landschaft Gambias.
Palmen mit Flaschen in der Krone zur Gewinnung von Palmenwein. Das ist das Privileg der christlichen Mitbürger, da den Muslimen der Alkohol ja verboten ist.
Im Camp dann wieder Baden und Essen. Ab halb sieben wird dann das Dieselaggregat angeworfen, es gibt ja hier keinen Strom. Im 3 x 3 Meter großen Gemeinschaftsraum schauen wir auf einem alten Röhrenfernsehr das Champions League Spiel Bayern gegen ManCity. Die Begeisterung ist groß, Bayern gewinnt (Muller, Sweinsteiger), die Bildröhre muß von Zeit zu Zeit mal von den Fliegen und Moskitos gereinigt werden.
Das war bisher in meinem Leben der ungewöhnlichste Ort ein Fußballspiel anzusehen.
Van
Unser Fahrzeug ist ein bereits stark betagter Mercedes Kleinbus. Unsere Driver (Yaya) hat einen harten Job.
Er ist viele Jahre als Assistent Driver und Driver Buschtaxi (Tanka Tanka) gefahren. Damit wird praktisch der komplette Personenverkehr auf der Northbank abgewickelt. Jede Form von Gütern, Tiere, Möbel usw. werden auf den Dächern der Fahrezuge (Mercedes, Ford Transit). Die Vans sehen alle sehr individuell aus, keiner entspricht auch nur ansatzweise den Vorstellungen des deutsch TÜV. Wichtig ist, man muß alles mit Hammer und Schraubenzieher reparieren können. Das passiert dann auch. Die Kupplung gibt den Geist auf. der Driver verbringt den kompletten Tag mit der Beschaffung von Ersatzteilen (Fähre, Southbank, Banjul) und der Reparatur des Van an der senegalesischen Grenze. That’s Africa.

