Category Archives: Asien2018

Escape (II) SVO

Wir sind in Sheremetyevo (Moskau) gelandet, Grau, Schnee und drei Grad unter Null. Es erinnert alles ein bisschen an Doktor Schiwago, nur eben mit Flugzeugen. Die Menschen sind nicht gerade ein Ausbund an fröhlicher Kommunikation. Wir sitzen jetzt in einem Cafe (Schokoladniza) und warten auf den Anschlussflug nach Saigon. Der doppelte Espresso war nicht der Rede wert (ich hoffe es war wenigstens Koffein drin), der Kuchen schön süß und die Bedienung, siehe oben.

20180218_153308-cutAuf jeden Fall sind wir jetzt erst mal an einem Ort, an dem wir von der German Daily Soap („Der Mann mit den Haaren im Gesicht“, „Bätschi“ und „Onkel (Heimat) Hotte“) verschont sind. Es ist eigentlich eine angenehme Sache, wenn man in einem fremden Land nur wesentliche  Worte („Allunionsausstellung“, „Sehenswürdigkeit“ und „Unterseeboot“) versteht, man bleibt von den allgemeinen Belanglosigkeiten verschont. Ach ja, auf einem Reklamebildschirm von Russia Today: „Missed a Plane? Lost an Election?  Blame Us!“

Escape(I) SXF

Unser Hauptstadtflughafen in Schönefeld ist immer etwas besonderes. Als Kind hatte ich den neu und riesig in Erinnerung. An einem grauen Sonntagmorgen ist es hier ziemlich schäbig. So stellt man sich Bahnhöfe an Orten vor, die vom amerikanischen Präsidenten kürzlich als Shit-Hole-Countrys bezeichnet wurden.
Asiatische Familien mit irrwitzig riesigen Gepäckstücken vor uns in der Schlange. Am Security Check eine Traube von ratlos schauenden BGS Beamten, die darüber rätseln, ob sie das Gepäckstück einer 4 Jährigen bombentechnisch untersuchen lassen müssen. Wir haben Glück,
das Terminal wurde nicht geräumt. Nach einem Blick in unsere Pässe stehen wir in einer Art
verglastem Käfig für die Ausreise aus der EU.

Jede Große Reise beginnt am Bahnhof Saarmund..

Jede Große Reise beginnt am Bahnhof Saarmund..

Den Abstand zwischen Decke und den Seitenscheiben hat man clever mit Hühnerdraht aus dem Baumarkt dicht gemacht. Die Abfertigung zieht sich in die Länge, da etliche unserer Mitmenschen weder die Dimensionierung von Handgepäck, noch die Bedeutung der Worte „ein Stück Handgepäck pro Person“ verstehen. Mit 45 Minuten Verspätung entschwinden wir aus SXF.

Insgesamt aber ein gutes Wochenende: Deniz ist frei (#FreeDeniz) und der 1. FC Magdeburg führt die Tabelle der dritten Liga an.

Wien (II)

Auf der Strecke in die City kamen wir an dem imposanten Bauwerk des Karl-Marx Hofes vorbei. Hier standen 1934 die Geschütze in der Revolte gegen die Regierung oder besser Diktatur des Austrofaschisten Engelbert Dollfuss und beschossen die dort wohnenden Arbeiter. Wien war (oder ist) rot, links und sehr genossenschaftlich organisiert. Wenn man den imperialen Bezirk innerhalb des Opernrings verlässt, findet man an allen Ecken Bauten der Stadt Wien oder genossenschaftlich organisierte Bauten („Höfe“ und jeder trägt einen Namen). Die Mieten sind erschwinglich, die Höfe sind gut in Schuss. Die
Wohnungen sind nicht verkäuflich und werden kommunal verwaltet. Die Kindertagesstätten sind in ausreichender Anzahl vorhanden und kostenfrei. Der Nahverkehr ist erschwinglich (Einzelkarte 2,20 Euro). Es gibt ein gut ausgebautes Netz an Radwegen durch die ganze Stadt. Wien kommt damit nach Melbourne auf Platz 2 der Großstädte mit der besten Lebensqualität weltweit.