Unser Besuch in Hue war mit zwei Nächten nur kurz und galt dem Besuch der Zitadelle. Der
Weg dahin, ist mit dem gleichen Chaos wie in jeder anderen vietnamesischen Stadt verbunden. Laut und tausende von Mopeds. Wenn ich wieder zurück bin, muss ich erst mal meine Lunge überholen lassen.
Das Klima ist höllisch feucht, es regnet hier auch sehr häufig. Wir haben „Glück“, die Sonne scheint und beschert uns zu den 80% Luftfeuchtigkeit auch noch 32 Grad Celsius. Nach einem halbstündige Fußmarsch mit Überquerung des Perfum River stehen wir endlich vor den
ca. 21 Meter dicke Mauern der Zitadelle.
Auf dem Flag Tower steht ein 20 Meter hoher Flaggenmast mit einer überdimensionalen (wenn auch etwas träge herunter hängenden) vietnamesischen Fahne. Die Souveränität des Staates verlangt an diesem für die Geschichte des Landes vielleicht wichtigsten Ort eine klare und weithin sichtbare Manifestation. Dazu später jedoch noch etwas mehr.
Die Zitadelle selbst wurde erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts von den vietnamesischen Kaisern nach dem Vorbild der verbotenen Stadt in Peking erreichtet.
In Amerika gibt es zu dieser Zeit bereits seit 30 Jahren eine Verfassung. Ein paar dekadente Kaiser versuchen in Vietnam des Mittelalter wieder herzustellen. Kurze Zeit später waren die Franzosen dabei das Land wirtschaftlich auszubeuten und konnten über die Attitüde der kaiserlichen Familie vermutlich nur lachen. Jedenfalls bebauen die Vietnamesen ein gigantisches Areal mit dem einzigen Ziel, die kaiserliche Familie unterzubringen und Jahrhunderte alten Ritualen zu frönen.
Die Geschichte funktionierte auch nur bis 1945 als „Puppet Gouvernment“, von 1942-45 als „Double Puppet Gouvernment“. Da waren ja noch die Japaner mit von der Partie. Dann beginnt an der Zitadelle der Zahn der Zeit zu nagen. Als im Februar 1968 die Nordvietnamesen Hue besetzen wird die Zitadelle zum Mittelpunkt von 6 Wochen schwerer Kämpfe. Die südvietnamesische Regierung untersagt den Amerikanern den Einsatz von schweren Waffen. Am Ende war der Anblick der nordvietnamesichen Flagge auf oben genannten Turm wahrscheinlich doch so unerträglich, dass alle Beteiligten wieder zu Artillerie und Napalm griffen. Damit wurden große Teile der Zitadelle dem Erdboden gleich gemacht. Eine Teil der Paläste und Anlagen wurden jedoch wieder aufgebaut und rekonstruiert. Der Erhalt ist heute eine Mammutaufgabe. Das Klima setzt den Bauwerken beachtlich zu. Vietnam verfügt vermutlich nicht allein (sie konnten erst 61 Millionen Dollar dazu aufbringen) über die Ressourcen dieses beachtliche Stück Geschichte zu retten. Die Zitadelle wäre ein guter Ort für die Amerikaner, durch wirtschaftliche Hilfe beim
Wiederaufbau, die alten Wunden des Krieges zu heilen.
















